Hingehört: Songhoy Blues – „Résistance“


Künstler Songhoy Blues

Songhoy Blues Résistance Kritik Rezension

Deutlich weiterentwickelt haben sich Songhoy Blues auf ihrem zweiten Album.

Album Résistance
Label Transgressive Records
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Gegen was sich der Widerstand von Songhoy Blues auf ihrem übermorgen erscheinenden zweiten Album Résistance richtet, kann ich mangels Textverständnis leider nicht sagen. Einigermaßen wahrscheinlich erscheinen jedoch zwei Stoßrichtungen: Erstens will die Band aus Mali, die vor zwei Jahren für ihr Debüt Music In Exile quasi einhellig gefeiert wurde, offensichtlich zeigen, dass Afrika mehr zu bieten hat als Armut, Korruption und Bürgerkrieg. Zweitens entfernen sich Garba Touré, Aliou Touré, Oumar Touré und Nathanael Dembélé noch weiter von den Koordinaten, die man gemeinhin mit Weltmusik verbindet. Résistance, das im Herbst 2016 in London aufgenommen wurde, ist Rockmusik, nichts anderes.

Ein gutes Beispiel für die erste Zielrichtung ist Bamako, benannt nach der Stadt, in der sich Songhoy Blues gegründet haben. Der Refrain lautet “Il ma fata”, übersetzt: „Lass uns ausgehen!“ Sänger Aliou Touré sagt: „Mit Bamako wollten wir einfach etwas über die Gegend schreiben, aus der wir kommen, und zwar etwas, das Spaß macht und positiv ist. Man hört so viele negative Dinge über Afrika, lauter schlechte Nachrichten über Krieg und Hunger, die das allgemeine Bild von Afrika prägen. Mit diesem Lied wollen wir dieses Bild aufbrechen, indem wir etwas beschreiben, was jeder kennt: am Samstagabend ausgehen. Damit wollen wir zeigen, dass es ganz viele andere Seiten von Afrika gibt, die man nicht in den Nachrichten sieht.“ Wenn der Refrain des Songs weniger Bläser (die auf Résistance durchweg sehr prominent sind) und mehr Verzerrung hätte, wäre das auch von Sepultura vorstellbar, die Strophe würde bestens auf einen Blaxploitation-Soundtrack passen. Auch die Lebensfreude von Badji, in dem alles wie in Spiralen arrangiert ist, oder Dabari, das gekonnt die Virtuosität und Energie dieser Band vereint, sind Beispiele für diesen Effekt.

Die Rock-Betonung lässt sich etwa in Mali Nord erkennen, das auf einem Rockabilly-Beat aufgebaut ist, in den sich der Rap von Elf Kid erstaunlich problemlos integriert. Der Auftakt Voter bietet Funk in der Strophe und fast Hardrock-Charakter im Refrain, beides mit sehr viel Power. One Colour, das die von Neil Comber (MIA, Django Django, Crystal Fighters) produzierte Platte abschließt, ist ein Desert Blues, in dem ein Kinderchor das optimistische Finale „Together, yes we can“ singt.

Besonders reizvoll ist die Weiterentwicklung von Songhoy Blues, die immerhin schon für das Debüt im Jahr 2015 bei den Q Awards als beste neue Band nominiert worden waren. Der gewagte Rhythmus von Ir Ma Sobay illustriert das, ebenso Yersi Yadda, das verspielt und ungeduldig klingt, oder Alhakou, in dem eine beträchtliche Spannung aus dem Zusammenspiel des Lead- und Chorgesangs erwächst. In Hometown tragen etwa die Streicher von William Harvey zu einer eher gelassen-getragenen Atmosphäre bei, die an Country erinnert. Der Bass in Ici Bas ist sehr stoisch und treibend, der Rest nimmt sich um so mehr Freiheiten.

Der Reihe der sehr prominenten Zusammenarbeiten (Songhoy Blues haben etwa schon mit Nick Zinner, Julian Casablancas und Damon Albarn musiziert) fügen sie auf Résistance einen weiteren Eintrag hinzu: In Sahara stellt Iggy Pop großartigerweise fest, dass es in der Wüste keine Pizza gibt. Der Sound des Lieds ist geerdet, nahe beispielsweise an Tinariwen. Anders als in der Musik ihrer Touareg-Kollegen, zu denen es bei Herkunft und Historie deutliche Parallelen gibt, hört man Themen wie Flucht, Vertreibung, Heimweh oder Sorge um die Heimat den Stücken von Songhoy Blues allerdings nicht an. Genau das war wohl das Ziel von Résistance.

Party à la Songhoy Blues zeigt das Video zu Bamako.

Website von Songhoy Blues.

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