Hingehört: The Asteroid’s Galaxy Tour – „Bring Us Together“


Künstler The Asteroid’s Galaxy Tour

Bring Us Together

Viele Genres, noch mehr Glamour – so klingt The Asteroid’s Galaxy Tour.

Album Bring Us Together
Label Hot Bus Records
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Bring Us Together – das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Titel für das dritte Album der Asteroid’s Galaxy Tour. Denn Lars Iversen und Mette Lindberg sind schon seit 2007 gemeinsam am Werk. Sie haben ein eigenes Studio (Rummet in Vesterbro, einem Stadtteil von Kopenhagen) und ihre eigene Plattenfirma (Hot Bus Records). Viel mehr musikalische Symbiose geht kaum. Zudem waren sie seit Erscheinen des Vorgängers Out of Frequency im Jahr 2011 so nah zusammen wie wohl nie zuvor in ihrer Bandgeschichte. Nämlich auf einer ziemlich ausgiebigen Welt-Tournee.

“We had this crazy touring schedule, playing over 150 shows in under a year in the US, all over Europe, South America, even some in Asia. We constantly found ourselves in either a tour bus or at the airport or the hotel room“, erinnert sich Lars Iversen. Seine Bandkollegin führt aus, wie gerade diese permanent Zweisamkeit dazu führte, dass The Asteroid’s Galaxy Tour sich ein wenig fremd in ihrer eigenen Haut und auch als Band fühlten: “You fall asleep in one country and wake up in another. You spend the majority of your life with the same people around you in close proximity, there is bound to be tension at times. I had a super busy PR schedule too, sometimes eight hours a day. Combine this with playing sold out shows at night, endless after parties, and travelling in and out of different time zones all the time, and you get this absurd state of constant ecstasy. Mixed with all the fun and excitement a weird sense of isolation sets in.“

Überwunden haben sie dieses Gefühl, als sie wieder zuhause in Kopenhagen waren. Von der Reise hatten sie reichlich Rohmaterial mitgebracht („I asked our sound crew to build me this amazing little travelling recording set up that I could easily get out and start writing and producing on the road. This ‘mobile studio’ quickly became my drug of choice. You could say I went on a journey within a journey, and that was the beginning of the new album really”, sagt Iversen) und nun feilten, polierten und bastelten sie eifrig an neuen Songs.

Es hat sich gelohnt: Die Eindrücke der Tournee haben zwar Spuren hinterlassen wie in My Club, mit einer prominenten Mariachi-Trompete und einem Gesang, der beinahe Rap ist („Tonight, I’ll be the bullet in your gun“, heißt die gefährlichste Zeile darin, und man weiß nicht, ob das eine Drohung ist oder ein Angebot zur Komplizenschaft). Aber Iversen und Lindberg haben eindeutig wieder ihre Mitte gefunden, und ihren typischen Sound mit viel Glamour, Groove, Funk und reichlich Versatzstücken aus allen nur denkbaren Genres. “Our sound is like a big Metropolis of music”, umschreibt Mette Lindberg diesen Mix, und Lars Iversen bestätigt das: “Mette and I have such eclectic tastes in music, it’s no wonder people find it hard to pin down our sound, but we love it that way.” Das heitere Navigator ist ein gutes Beispiel dafür, auch Rock The Ride, das ansteckend, mitreißend und ein wenig auf den Spuren von All That She Wants (Ace Of Base) daherkommt. Choke It ist noch so ein Song, dem man anhört, mit wie viel Spaß The Asteroid’s Galaxy bei der Sache sind, das gilt für den Gesang, aber auch für jedes einzelne Instrument.

Bring Us Together is the sound of reunification, of becoming a whole person once again, after having been blasted into atoms. It’s the album we wanted to make. This is us, stronger, a bit wiser and full of dreams”, lautet Mettes Resümee der Platte, und in den besten Momenten findet man tatsächlich die akustische Entsprechung dieser Charakterisierung. Hurricane fügt schöne Atmosphäre, schönen Sound und schöne Melodie zusammen, es wird einfach ein schönes Lied, das kein bisschen nach dem Wirbelsturm klingt, an den der Songtitel denken lässt, sondern nach einem 4-Minuten-Sommer für die Westentasche. Der Titelsong, gleich zu Beginn des Albums, rückt Mettes Gesang als das Besondere an dieser Band ins Rampenlicht. Erst erklingt in diesem Lied eine Space-Stimme, dann die Stimme von Mette Lindberg – und diese Kombination unterstreicht, wie außergewöhnlich ihr Gesang ist. Zu einem mächtigen Schlagzeug und schwer rollendem Klavier singt sie wie ein achtjähriges Mädchen. Ihre Stimme ist ungetrübt, zuversichtlich und unbedingt liebenswert, aber sie hat auch gerade die Fähigkeit entdeckt zu Trotz, Egoismus und Manipulation.

Zum Ende hin fällt Bring Us Together allerdings ab. Das misslungene I Am The Mountain ergötzt sich zu sehr an Soundspielereien, Zombies hat außer einem Bootsy-Collins-Gedächtnis-Bass und dem Credo „We’re gonna have the time of our lifes“ nichts zu bieten, der reduzierte Schlusspunkt X ist etwas unmotiviert. Diese letzten drei Lieder zeigen zwar den Willen zur Weiterentwicklung und die Erkenntnis, dass The Asteroid’s Galaxy Tour nicht ewig mit ihrem Standard-Sound funktionieren werden und das mittlerweile auch bemerkt haben. Sie zeigen aber auch, dass die beiden Dänen (noch) keine schlüssige Antwort auf die Frage finden, wohin die Reise gehen könnte. Vielleicht ja erst einmal wieder: auf Tour.

Einen großen Eimer mit Pastellfarben kippen Asteroid’s Galaxy Tour auf das Video von My Club.

 

Homepage der Asteroid’s Galaxy Tour.

The Asteroids Galaxy gibt es im Herbst live in Deutschland:

31.10.2014 – Atomic Café (München)

06.11.2014 – FrannzClub (Berlin)

12.11.2014 – Stadtgarten (Köln)

13.11.2014 – Molotow (Hamburg)

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