Hingehört: The Helio Sequence – „The Helio Sequence“


Künstler The Helio Sequence

Das sechste Album ist für The Helio Sequence ein Neuanfang.

Das sechste Album ist für The Helio Sequence ein Neuanfang.

Album The Helio Sequence
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Wenn eine Band im 16. Jahr ihres Bestehens ihre neue Platte plötzlich nach dem Bandnamen betitelt, muss man dahinter natürlich den Versuch eines Neuanfangs vermuten. So ist es auch bei The Helio Sequence, dem sechsten Studioalbum von Brandon Summers und Benjamin Weikel.

Der Verdacht ist nicht falsch. „Negotiations was a very long, introspective process”, sagt Brandon Summers über den 2012 veröffentlichten Vorgänger. “We shut ourselves off from the world and disappeared down the rabbit hole. That’s how we tend to work, but we wanted to try something new, open and immediate.”

Eine Methode dazu haben The Helio Sequence auch sehr schnell gefunden: Sie trafen sich im Mai 2014 täglich im eigenen Studio in Portland. Die Zielsetzung: innerhalb eines Monats so viel Musik aufzunehmen wie irgend möglich, ohne nachzudenken, abzuwägen oder die sonst bei diesem Duo üblichen Diskussionen zu führen, was man nun wie, wann und vor allem warum machen möchte. Der Ansatz funktionierte blendend, erklärt Summers: „We were coming to the studio on these sunny mornings every day with an open mind. We said: I’m just going to do what feels good in the moment. We worked so quickly that there was a running optimism. There’s this sense of striving for perfection where you can actually take momentum away. But we wanted this record to be momentum in and of itself.”

Aus den Bruchstücken dieser Ideensammlung bauten The Helio Sequence dann 26 Lieder zusammen, die sie dann ausgewählten Freunden, Verwandten und Fans vorstellten mit der Bitte, ihre Favoriten zu benennen. Die zehn Lieder, die am häufigsten gelobt wurden, finden sich nun auf dem Album.

Man hört der Platte diese sehr offene Herangehensweise an. Der Auftakt Battle Lines könnte kaum programmatischer sein: Es ist ein sehr dezenter Beginn, ein Song, der aus dem Ungefähren kommt. Und dazu singt Summers: „I’m looking for a new direction, I’m looking for another way.“

Auch sonst gibt es überraschende Ergebnisse. Bei Inconsequential Ties bekommt die akustische Gitarre eine sehr zentrale Position, Seven Hours hat eine faszinierende Melancholie, die an Electric Soft Parade erinnert. Die Single Upward Mobility könnte man sich sogar von den Last Shadow Puppets vorstellen – auch sonst ist diese Platte erstaunlich britisch: stolz, exzentrisch, mit ein bisschen Understatement und viel Geschichtsbewusstsein.

Fast immer sind die Drums von Benjamin Weikel enorm kreativ, selbst in der vergleichsweise kompakten Vorab-Single Stoic Resemblance ist die Stimme fluffig und die Gitarre fast freischwebend. The Helio Sequence hat auch Humor zu bieten.“I don’t want to be cool, I don’t want to be distant”, singt Summers in Deuces – natürlich zu einem sehr coolen Sound und mit so viel Hall auf der Stimme, dass er weit entfernt klingt. Und es gibt auch eine Beinahe-Kopie: Phantom Shore ist so nahe an So You Wanna Be A Rock And Roll Star von den Byrds, wie man es ohne Plagiats-Klage gerade noch sein kann. Ganz unverkennbar ist das genau die gleiche Melodie, da können noch so viele Effekte um den Gesang herum tanzen und das Schlagzeug wieder einmal sein Bestes geben, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Auch diese Referenz passt gut, denn die Platte durchweht eindeutig der Geist von Flower Power und Psychedelik, eine Sehnsucht nach Utopie und Harmonie. Wie ein Sprung in den Jungbrunnen oder ein zweiter Frühling wirkt das trotzdem nicht. Einige Passagen verströmen – wohl unvermeidlich bei dieser Arbeitsweise – eher eine gewisse Beliebigkeit.

Psychedelic! Das Video zu Upward Mobility.

Homepage von The Helio Sequence.

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