Hingehört: The Magnetic North – „Prospect Of Skelmersdale“


Künstler The Magnetic North

Prospect Of Skelmersdale Magnetic North Albumkritik Rezension

„Prospect Of Skelmersdale“ erzählt die Geschichte einer englischen Modellstadt.

Album Prospect Of Skelmersdale
Label Full Time Hobby
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Auf dem Papier klingt das schon wieder schrecklich. Ein Nebenprojekt (Erland Cooper macht sonst solo seine Musik, Simon Tong war bei The Verve und The Good, The Bad And The Queen aktiv, Hannah Peel macht unter anderem Soundtracks für Filme wie Anna Karenina). Ein Konzeptalbum (The Magnetic North erzählen mit Prospect Of Skelmersdale die Geschichte einer 1961 gegründeten und am Reißbrett konzipierten Stadt im Nordwesten Englands). Musik, die zuerst Recherche in Archiven braucht und Soundsamples der „Skelmersdale Development Corporation“ einsetzt. All das klingt wie das ultimative Rezept für eine misslungene Kopfgeburt.

Aber was für eine magische Platte machen The Magnetic North daraus! Nachdem sie auf ihren Debütalbum der musikalischen Identität der Orkney Inseln im Norden Schottlands nachgespürt haben, blicken sie nun auf Skelmersdale, eine gescheiterte Modellstadt in West Lancashire, die dann in den 1980er Jahren zur Zentrale der „Transcendental Meditation“ wurde. Das Ergebnis ist ein Hochfest für alle, die opulente, warme, schwelgerische Popmusik lieben.

The Silver Birch ist typisch für das Prinzip, das hier greift: Drei Musiker verfügen über sehr großes Können, aus dem sie sehr viel machen. Sandy Lane ist wundervoll, Little Jerusalem wird ein Lied, das keinen Körper zu haben scheint, sondern nur aus Seele besteht, mit dem Wechsel aus Hannah Peels und Erlands Coopers Gesang und den orchestralen Arrangements wird Pennylands alle bezaubern, die Stars lieben.

Auch A Death In The Woods kann als Musterbeispiel für die Idee dieser Platte gelten: Der Track wirkt wie eine Reise durch die Musikgeschichte im Zeitraffer. Exit zeigt, wie experimentell und modern ein Song klingen kann, der im Kern eine Folkballade ist. Remains Of Elmer ist ungewöhnlich und magisch und dramatisch wie Arcade Fire. Cergy-Pontoise setzt nicht auf Melodie oder Struktur, weil es weiß, dass es sich voll und ganz auf seine eigentümliche Stimmung verlassen kann.

Der Rausschmeißer Run Of The Mill wird eine wunderbare, unschuldige Klavierballade, kurz davor singt Erland Cooper in Northway Southway: “I just want to step out of this world for a day.” Bei so einem traumhaften Lied kann man sicher sein, dass er dem ersehnten Paradies schon sehr nahe war.

Gleich noch eine Geschichtsstunde: das Video zu Signs.

Website von The Magnetic North.

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