Valeria Frattini – „Tinta Blu“


Künstler Valeria Frattini

Valeria Frattini Tinta Blu Kritik Rezension

„Tinta Blu“ hat Valeria Frattini in ihrer neuen Wahlheimat Berlin aufgenommen.

Album Tinta Blu
Label Frattini Musica
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Ein Gefühl der Beklemmung, deren Ursprung man nicht ganz erklären kann, ist Tinta Blu. Valeria Frattini hat den Begriff als Titel ihrer am Freitag erscheinenden neuen EP gewählt, und thematisiert das auch im Titelsong. „Wichtig ist, nicht zu resignieren oder wütend zu werden. Man sollte beobachten, die Dinge in sich aufnehmen und daraus seine eigenen Schlüsse ziehen“, sagt die Deutsch-Italienerin über ihren Umgang mit solchen Situationen. Das passende Lied arbeitet mit Streichern, einem ungewöhnlichen Takt und einer sehr ursprünglichen Atmosphäre, die erkennen lässt, warum iTunes als Genre für diese EP „Blues“ definiert.

Vielleicht hat sich bei diesem Sound auch die Zeit bemerkbar gemacht, die Valeria Frattini in den USA verbracht hat. Mit der Musik begann sie allerdings erst 2010 in Hamburg. Zwei Jahre später folgte ihr Debütalbum, danach ein längerer Aufenthalt in Rom, mittlerweile ist sie in Berlin zuhause und hat das (geistige und wirkliche) Pendeln zwischen diesen Orten zuletzt auf der EP Tra Roma and Berlin (2015) thematisiert.

Für Tinta Blu setzt sie auf ihre Liveband mit Frank Schulze-Brüggemann (Gitarre), Felix Hoffmann (Bass) und Jan Niemeyer (Schlagzeug), auch sonst gibt es ausschließlich deutsche Mitstreiter wie die beiden Produzenten Steffen Graef (Gitarrist von Max Giesinger) und Joschka Bender (Gitarrist von Madeline Juno). Wer jetzt soliden, halbwegs harmlosen Adult Pop erwartet, wird von Liedern wie Solo io e il mio mare bestätigt. Auch Bell uomo passt in diese Kategorie, das ein wenig wie ein Freizeit-Moment von Shakira wirkt, die hier auch stimmlich eine Verwandte zu sein scheint.

„Ich möchte meinen Hörern nicht vorgeben, was sie denken sollen“, betont Valeria Frattini. „Denn ich selbst lebe nach dem Prinzip, dass etwas nur dann gut für mich sein kann, wenn ich es auch so fühle. Jeder kann aber seine eigene Geschichte auf die ein oder andere Art und Weise in meiner Musik erkennen.“ Tinta Blu vereint zumindest genug Einflüsse, um dabei eine ordentliche Bandbreite zu ermöglichen. Principi azzurri zeigt eine Ausgelassenheit, wie man sie etwa bei Zaz erleben kann, die hier allerdings etwas aufgesetzt wirkt. Das dezent rockige Ombra lässt an Melissa Etheridge denken (Italo-Puristen können an dieser Stelle meinetwegen auch Gianna Nannini einfügen), die angedeutete Aggressivität, die in der Strophe noch erkennbar ist, geht im Refrain aber leider verloren. Der beste Moment ist die Ballade Vestito di nebbia als inniger, stimmiger Schlusspunkt der EP. Insgesamt bietet Tinta Blu aber zu wenig Eigenständigkeit, um Freunde jenseits der Bewunderer italienischen Liedguts zu finden.

Auch das Video zu Tinta Blu ist in Berlin (in der Malzfabrik) entstanden.

Website von Valeria Frattini.

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