Hingehört: Young Fathers – „Dead“


Clever, mutig und eingängig ist das Debüt der Young Fathers.

Clever, mutig und eingängig ist das Debüt der Young Fathers.

Künstler Young Fathers
Album Dead
Label Big Dada
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Wenn man an progressiven, anständigen, un-egoistischen Rap denkt, dann fallen einem vielleicht Arrested Development ein, The Roots oder meinetwegen noch Roots Manuva. Was einem ganz gewiss nicht einfällt, ist: Edinburgh. Genau dort sind die Young Fathers zuhause, und mit Dead legen sie ein Debüt vor, das für den denkenden HipHop-Fan keinerlei Wünsche offen lässt.

Mit zwei EPs haben Alloysious Massaquoi (seine Wurzeln liegen in Liberia), G Hastings (ein beinahe waschechter Edinburgher) und Kayus Bankole (seine Vorfahren sind in Nigeria zuhause) schon auf sich aufmerksam gemacht, auch die beiden Singles Low und Get Up ließen aufhorchen und sind auch hier vertreten. Low zeigt wunderbar, wie der Sound der Young Fathers funktioniert: Der Beginn ist beinahe acappella, dann setzt ein fast brachiales Schlagzeug ein, das dann so etwas wie Jamaika-Flair weicht. Get Up fängt gleich mit seinem Hammer-Refrain an: „Come in, do the right thing / get up and have a party / get up“, lautet die Aufforderung, begleitet von einem famosen Beat.

Es spricht für die Klasse des Trios, dass auch der Rest des Materials dieses Niveau hält und dass Dead trotz vieler einzelner Höhepunkte auch als Album glänzend funktioniert. Kracher-Beats und herausragende Refrains werden dabei immer wieder mit Ungewöhnlichem kombiniert: Im Opener No Way ist etwas zu hören, das verdammt nach einem Dudelsack klingt, der Beat ist genauso tödlich wie man das erwartet in einem Track, in dem unter anderem über eine AK 47 gerappt wird. Ein seltsamer, fast schmerzhafter Sound wie von einem Kinderkeyboard im Todeskampf prägt Just Another Bullet, Horrorfilm-Atmosphäre macht sich in Dip breit.

Oft meint man, wie im Rausschmeißer I’ve Arrived, dass diese Lieder ursprünglich noch einen anderen, straighten Beat hatten, der eigentlich das Grundgerüst bildete, jetzt aber nicht mehr zu hören ist und von reduzierten Trommeln und Percussions ersetzt wurde. Dieser imaginierte Beat sorgt durchweg für viel Spannung und trägt dazu bei, dass Dead ein so ungewöhnliches und selbstbewusstes Album geworden ist.

Das minimalistische und sehr coole War setzt auf Handclaps und ein Glockenspiel, Paying ist durchgeknallt wie Cypress Hill und bedrohlich wie der Wu-Tang Clan, Mmmh Mmmh klingt wie die letzten Zuckungen einer Game-Boy-Computerspielmusik. Hangman hat dann sogar einen Refrain zu bieten, zu dem ein Gospelchor gut passen würde, und Am I Not Your Boy, als vorletztes Stück des Albums so etwas wie der Rausschmeißer der Herzen, ist eine gefühlvolle Ballade, wie sie auch gut zu den Kings Of Leon (!) passen würde.

Soul, Afrika, Pop und modernen, mutigen HipHop vereint das Trio zu einem sehr überzeugenden Ganzen. Vieles auf Dead ist Avantgarde, alles ist intelligent – aber Young Fathers vergessen nie, dass ein Track immer auch Spaß machen soll.

Kein bisschen leise, und ziemlich bunt: Das Video zu Low.

Homepage der Young Fathers.

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