Hingehört: Yuck – „Glow & Behold“


Blur statt Lärm: Yuck definieren auf "Glow & Behold" ihre Koordinaten neu.

Blur statt Lärm: Yuck definieren auf „Glow & Behold“ ihre Koordinaten neu.

Künstler Yuck
Album Glow & Behold
Label Caroline
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Coverbands sind nicht besonders beliebt. Das ist ungerecht. Denn es gibt zwei Sorten von Coverbands. Die einen spielen die Songs anderer Künstler nach – das ist in der Tat überflüssig bis peinlich. Die anderen ahmen die Sounds anderer Künstler nach – und das kann erstaunliche Ergebnisse zutage fördern.

Wie bei Yuck. Das Quartett aus London schaffte es mit seinem Debütalbum vor zwei Jahren, quasi im Alleingang ein Dinosaur Jr.-Revival auszulösen. Jetzt sind sie mit Glow & Behold zurück, und wieder sind sie in den Fußstapfen großer Vorbilder unterwegs. Allerdings haben Max Bloom (Gesang und Gitarre, er hat früher bei Cajun Dance Party gespielt), Mariko Doi (Bass), Jonny Rogoff (Schlagzeug) und der neue Gitarrist Ed Hayes (er ersetzt Daniel Blumberg, der Yuck verlassen hat) eine neue Referenzgröße entdeckt: Blur.

Nach dem instrumentalen Opener Sunrise In Maple Shade (gegen Ende von Glow & Behold folgt mit Twilight In Maple Shade noch ein zweites Instrumental) findet man sich umgehend im Modern Life Is Rubbish-Kosmos des Jahres 1993 wieder: Out Of Time heißt nicht nur wie ein Song von Blur (allerdings einer, den sie erst 2003 gemacht haben), sondern klingt auch so. Auch danach gibt es reichlich Referenzen an Albarn, Coxon & Co. Vom Lärm, der das Yuck-Debütalbum noch geprägt hat, ist fast nichts mehr geblieben. Gelegentlich klingt Glow & Behold sogar, als hätte Max Bloom von seiner Mama den Auftrag bekommen: „Junge, hör doch mal auf mit diesem Feedback und Krach! Mach doch mal ein richtig schönes Lied!“

Und bei Gott, es gibt richtig schöne Lieder auf dieser Platte. Yuck beweisen hier immer wieder sagenhafte Klasse und grandioses Feingefühl. Memorial Fields klingt wie eine der traumhaften Ash-Balladen von Nu-Clear Sounds. Auch Somewhere kann man mit Fug und Recht als Ballade bezeichnen, das Lied wird wunderhübsch und geradezu zärtlich. Bassistin Mariko Doi veredelt mit ihrem Gesang Lose My Breath, das Punch und Eleganz vereint. In Nothing New ist die Strophe akustisch, die Melodie fantastisch, das Trompetensolo himmlisch.

Freilich sind Yuck nicht komplett zu Weicheiern mutiert. Die Single Middle Sea erinnert an Yo La Tengos Sugarcube, mit viel Fuzz und Drive und Spielfreude – man hört, wie viel Spaß die Band hat, und das Zuhören ist genauso unterhaltsam. In Rebirth ist die Gitarre maximal verfremdet und verwaschen, die Stimme hingegen maximal klar und hell, erst ganz am Schluss, wenn alle anderen Instrumente ausblenden, merkt man dann, wie mächtig das Schlagzeug da schon die ganze Zeit donnert. Auch in How Does It Feel, im Prinzip ein klassischer Popsong, schimmern die alten Yuck durch, wenn sich Ed Hayes am Ende ein üppiges Gitarrensolo gönnt.

Das beste Lied ist der Titelsong ganz am Ende des Albums. Glow & Behold klingt vom ersten Takt an wie ein Klassiker, verspielt, romantisch und niedlich. Ganz am Schluss darf sich die Gitarre in Ekstase spielen, zwei Minuten lang ganz allein und mächtig verzerrt, als ob sie zeigen wollte: Seht her, wir haben uns nicht komplett verwandelt, die Gene vom Debütalbum sind immer noch da! Das ist bei näherem Hinhören unbestreitbar (und erfreulich), dennoch haben Yuck mit Glow & Behold einen riesigen Entwicklungsschritt hingelegt. Man darf sehr gespannt sein, was als nächstes kommt.

Yuck spielen Middle Sea live in Madrid (und jemand, der klein ist, filmt es):

Homepage von Yuck.

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