Hingehört: Zaz – „Recto Verson (Collector’s Edition)“


"Recto Verso" gibt es jetzt mit neun Zusatzliedern und einer DVD.

„Recto Verso“ gibt es jetzt mit neun Zusatzliedern und einer DVD.

Künstler Zaz
Album Recto Verso (Collector’s Edition)
Label Sony
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Zuerst die Fakten: Recto Verso ist das zweite Album von Zaz, und es ist ein sehr gutes. Es hat sich hierzulande 100.000 Mal verkauft und bestätigt, dass Isabelle Geffroy (also Zaz) derzeit der beliebteste französische Pop-Export ist. Nun hat Zaz die Platte noch einmal ein bisschen aufgemotzt. Das Album ist gerade als Collector’s Edition noch einmal neu erschienen, mit neun Bonustracks und einer DVD namens Zaz, l’histoire d’une ascension mit einer Spielzeit von knapp 28 Minuten.

Es gibt einen sehr bezeichnenden Moment in dieser Kurzdokumentation, die davon berichtet, wie Zaz sich mit ihrem Gitarristen Benoît, ihrem Bassisten Mathieu und dem Schweizer Alpinisten Dani Arnold im Oktober 2012 auf den Weg zum Mont Blanc gemacht hat. Dieser Moment ist allerdings nicht die Szene, in der sie den Gipfel des höchsten Bergs Europas erreicht hat und dort ihren Hit Je veux singt. Sondern es ist ein Zitat. „Ich glaube, dass ich mit meiner Stimme die Menschen berühre, liegt an meiner inneren Überzeugung. Denn eine Stimme ohne was dahinter klingt nicht“, sagt Zaz da, und das ist ein brillante Analyse ihres Erfolgsrezepts. Zaz lebt ihre Musik, so einfach ist das, und so mitreißend.

Das beweisen auch die neun neuen Lieder der Recto Verso-Neuauflage. Appât de velours, ihr Duett mit Alex Renart, klingt beispielsweise herrlich lebendig, organisch und spontan („Es gibt nichts Tolleres, als in der Gegenwart zu sein“, ist noch so ein zentrales Zitat von Zaz auf der DVD, und dieses Lied ist die Entsprechung davon). Pfeifen, ein Tamburin und ein Banjo sind wichtige Zutaten, und das Ergebnis hätte gut auf den Soundtrack von 8 Frauen gepasst, wenn da Männer zumindest als Duettpartner erlaubt gewesen wären.

Ensemble ist lässig und gut abgehangen, aber nicht träge oder ereignislos, und die Sache mit dem „gemeinsam“ nimmt Zaz durchaus wörtlich: Neben ihr sind in diesem Stück noch acht weitere Beteiligte zu hören („Wir werden es schaffen, weil wir eine Gruppe sind“, spricht sich Zaz in der Dokumentation Mut zu, als das Klettern auf den Mont Blanc wirklich strapaziös wird). La part d’ombre ist ein weiterer Beweis ihrer Klasse: Im Prinzip ist das Stück eine verträumte, beinahe dezente Reggaeballade, aber der Refrain verhält sich zu einem üblichen Radiorefrain wie Haute Couture zu C&A. Auch ihre Coverversion von La vie en rose überzeugt, sie versucht keine Modernisierung, sondern verlässt sich ganz auf die Stärke des Edith-Piaf-Stücks und macht damit alles richtig.

Nicht zuletzt reichen die neun Bonustracks von Recto Verso aus, um die unbändige Kreativität und enorme Musikalität von Zaz zu verdeutlichen. Sie kann sacht und sinnlich sein wie in Je rentre mit Waldhorn-Solo, einen wilden Ragtime wie Laissez-moi hinlegen oder im heiteren Le retour de soleil ihre eigene Ausgelassenheit genießen, die am Ende in etwas mündet, was man unbedingt „Rock“ nennen sollte. En rêve ist zwar nicht überragend (und weist einige Ähnlichkeiten zu Pat Benatars Love Is A Battlefield auf), aber ein weiterer Popsong mit Charakter. Und Belle ganz am Ende der Neuauflage zeigt, dass man Zaz nicht nur das Musizieren im Wohnzimmer mit Bandkollegen, am Lagerfeuer mit spontanen Bekannten oder in einer Spelunke mit harten Kerls zutrauen sollte, sondern auch einen Auftritt mit Orchester im Opernhaus.

Die Musik klingt tatsächlich so, wie die Sängerin auch auf der DVD wirkt: schlau, lebensfroh, sympathisch, bodenständig. Die Erfahrung, auf dem höchsten Berg Europas zu stehen, hat Zaz auch prompt in einen Song namens La lessive gepackt, und selbst beim Klettern in Eiseskälte, mit einem schweren Rucksack und in 3000 Metern Höhe sieht man Zaz hier immer wieder beim Singen. Einen besseren Beweis hätte es nicht geben können: Diese Lieder sind für sie nicht bloß Zeitvertreib oder Broterwerb, sondern Berufung.

Zaz besteigt den Mont Blanc und singt Je veux:

Homepage von Zaz.

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