Hingehört: Beastie Boys – „Paul’s Boutique“ 2


Die Beastie Boys puzzeln – und alles passt.

Künstler Beastie Boys
Album Paul´s Boutique
Label Capitol
Erscheinungsjahr 1989
Bewertung ****1/2

Nach dem schwachsinnigen Intro To All The Ladies geht es gleich richtig zur Sache. Nämlich auf die Toms. Schon rockt es, schon schüttelt man seinen Rumpf, ganz wie es der Titel fordert. Ein spätestens ab „it´s the joint“ unwiderstehlicher Groove. Unglaublich abwechslungsreich, voller Ideen und Überraschungen. Und spaßig. Auch in Johnny Ryall merkt man sofort, dass diese Jungs erstmal richtige Schlagzeuge gespielt haben, bevor sie sich über Programmierer, Sampler und Turntables hermachten. Von Strophe zu Strophe wird der Rhythmus immer vertrackter, diese kaum zu hörende Understatement-Orgel hält aber alles zusammen.

Wer das alles aber als Klamauk abtun will, wird spätestens in Eggman eines Besseren belehrt. Wie flüssig sie da die einzelnen Teile verbinden, Latino-Percussion, Hitchcock, Memphis-Soul und einen funky Bass einbauen und bei all dem auch noch rocken, macht ihnen keiner nach und beweist echte musikalische Klasse.

Doch nicht nur klangliche Puzzle-Spiele oder akustische Collagen können beeindrucken, sondern auch Monotonie. Folgerichtig versuchen es die Beasties in High Plains Drifter mit einem beinahe-Dub-Bass und einem eher eintönigen Schlagzeug. Dafür rücken hier ihre Fähigkeiten als MCs in den Vordergrund. Natürlich ist immer noch alles das selbe Muster, hat jeder immer noch die selbe Rolle, werden noch immer am Ende der Zeile mit zwei Stimmen die Betonung und der Rhythmus geschaffen. Doch so durchschaubar dieses Konzept ist, so effektiv ist es auch. Und natürlich sorgen die Beasties mit ihren geschmackssicher ausgewählten Stimm-Samples aus den obskursten Schwarz-Weiß-Filmen und den ältesten Fernsehserien noch immer für ein Schmunzeln. Und zwar bei jedem Durchlauf.

Dass sie nach einem albernen Track wie Sounds Of Science, getragen von Holzbläsern und dem „Mähh“ eines Schafes, später einmal ihre Werkschau benennen würden, die dann auch noch in renommierten Feuilletons besprochen wird, hätte sich 1989 wohl niemand zu träumen gewagt. Dennoch eignet sich der Titel vorzüglich dazu, ist praktisch der Beastie-Boys-Song-Prototyp. Nach dem albernen Intro überschlägt sich alles (vor allem die Zungen der Beteiligten) und dann lassen sie die Hosen runter und zeigen allen ihren blanken Hintern. Ein Beatles-Sample! Das kann sonst niemand. Und das macht sonst auch niemand. Nur sehr wenige kämen wohl auch auf die Idee, das Geräusch eines Tischtennisballs mit in den Rhythmus einzubauen. Und dann noch solch einen Text voller Gehässigkeiten, Anspielungen und Zitate dazu hinzukriegen.

Bei Hey Ladies ist nichts hintergründig oder zweideutig, alles ist offensichtlich und oberflächlich. Und wenn dann endlich die Kuhglocke (get funky!) zu ihrem Recht kommt, ist fast das Gefühl von Fight For Your Right To Party oder No Sleep Til Brooklyn wieder da. Insofern lässt sich kaum nachvollziehen, dass dieses Album mehr oder weniger floppte und noch heute bei Beastie-Boys-Fans eher zu den ungeliebteren Werken zählt. Ain´t it rockin´ now?

Mit Looking Down The Barrel Of A Gun erfinden sie dann kurz mal den Crossover-Metal neu mit. Car Thief schließlich hat die besten Lyrics auf diesem Album. I´m a writer / a poet / a genius / I know it / the girls are trying to get next to me / I got a beautiful experience on ecstacy. Die allerbeste Zeile haben sie sich aber für What Comes Around aufgespart. Rapunzel, Rapunzel, let down your hair / So I can climb up and get into your underwear. Sie wissen nunmal, wie es geht, und sie behalten es nicht für sich. It´s not how you play the game / it´s how you win it. I got more stories than J. D.´s got Salinger / I hold the title and you are the challenger (Shadrach).

Nicht mal mit B-Boy-Bouillabaise übernehmen sie sich. Halb improvisiert, halb zusammengesetzt, von den Dust Brothers sogar zum grooven gebracht. I play my stereo loud / I disturb my neighbour / I want to enjoy / the fruits of my labour. Eine Hip-Hop-Suite in 12:34. It´s a trip. It´s got a funky beat. And I can bug out to it.

Ein ziemlich irres Mash-Up: David Bowie trifft auf Hey Ladies:

Die Beastie Boys bei MySpace.


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