Hingehört: Beck – „Odelay“ 4


"Odelay" zeigt Beck als Frickler, der live zum Showmann mutiert.

Künstler Beck
Album Odelay
Label Geffen
Erscheinungsjahr 1996
Bewertung ****

Ich werde diese Show nie vergessen. Ich dachte ja immer, Beck wäre so ein schüchterner Stubenhocker, ein Frickler, der in seinem eigenen Studio sitzt, dabei Tee trinkt oder Gras raucht und alle möglichen obskuren Sounds zu etwas vermischt, das genauso einzigartig wie genuin wie tanzbar ist.

Ich hatte meine Gründe für diese Annahme. Ich kannte nur Loser, das ja fast Country war, MTV Makes Me Wanna Smoke Crack und ein paar Singles. Stets machte dieser Typ einen zurückhaltenden bis missverstandenen Eindruck.

Bis sich eines Tages bei Rock am Ring mein Bild von Beck vollkommen wandelte. Beck spielte live. Und wie er spielte! Er sang, er tanzte, er hatte all die großen Showman-Posen drauf. Ich hatte mich wirklich gehörig in ihm getäuscht. Beck war kein stiller Typ, sondern ein grandioser Entertainer. Er hatte Schlaghosen an, einen Cowboyhut auf und eine ebenso große wie talentierte Band dabei, die ebenfalls durch enorm coole Outfits bestach. Ganz vorne stand dieser bestens gelaunte Typ und zelebrierte seine Kunst.

Seitdem interessiere ich mich deutlich mehr für Beck, und Odelay halte ich noch immer für sein bestes Album. Produziert von den Dust Brothers und Mario Caldato jr., die ja schon den mit Herrn Hansen durchaus geistesverwandten Beastie Boys zu Großtaten verhalfen. Im Vergleich mit den Beasties ist Beck allerdings noch einen Tick vielfältiger, einfallsreicher und vor allem: musikalischer.

Gerade in den unscheinbareren Stücken wie Lord Only Knows deutet er die gesamte Breite seiner Fähigkeiten an. Richtige Melodien! Echte Songs! Selbst gespielte Instrumente! HipHop ist hier nur ein Teil eines deutlich größeren Spektrums.

Fast alles ist in gleichem Maße gelungen, doch einige Stücke ragen heraus. New Pollution mit seinem betrunkenen Halbmarsch-Beat und dem Softporno-Saxofon. Das tatsächlich stark an die Beastie Boys erinnernde Novocane. Das von einem It´s All Over Now, Baby Blue-Sample getragene Jack-Ass. Natürlich Where It´s At: Smoothes Orgel-Riff, scharfer Sprechgesangsrhythmus, groovy, groovy, jazzy, funky. Das herrlich verpennte Ramshackle. Schließlich das rabiate Diskobox, mitproduziert von Jon Spencer, dem Großmeister der Dekonstruktion.

Bleibt die Frage, was Odelay bedeutet. Ich glaube, es ist Spanisch. Ich dachte ja auch immer (als ich noch dachte, Beck sei ein stiller Typ), in Loser hieße es „So I walk in the door / I´m a loser, baby / so why don´t you kill me?“ Ein Mädchen hat mir dann aber erzählt, dass es nicht „So I walk in the door“, sondern „So e un perdedor“ heißt, übersetzt: „Ich bin ein Verlierer“. So ähnlich wird das mit Odelay wohl auch sein. Das klingt nämlich fast so wie „Adelheid“. Nur würde eben kein Mensch sein Album „Adelheid“ nennen. Wobei – Beck wäre es zuzutrauen.

Noch ein Beweis für das Showtalent, das in Beck steckt: Where It’s At bei der Grammy-Verleihung 2007:

Beck bei MySpace.


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4 Gedanken zu “Hingehört: Beck – „Odelay“