Hingehört: Ben Folds Five – „Whatever And Ever Amen“ 1


Keine Gitarren, aber trotzdem Swing und Punk: Ben Folds Five.

Künstler Ben Folds Five
Album Whatever And Ever Amen
Label 550 Music
Erscheinungsjahr 1997
Bewertung ****1/2

„The band and the producer are confident that your money was well spent on an album relatively free of major sonic and musical problems.“

Das ist doch mal ein Versprechen. Und sie lösen es – wie man es von lieben, sympathischen, gut aufgelegten Jungs nicht anders erwartet hätte – auch ein. Weiß der Teufel, wer ihnen eingeredet hat, man dürfe bei Plattenaufnahmen keine Gitarren verwenden. Doch so abstrus die Idee ist: Ben Folds Five machen ihre Stärke daraus. Ein ganz spezieller Sound, dank Fuzz-Bass und allerlei Gimmicks auch die nötige Power. Und natürlich – wie so oft bei Klavierkomponierern: richtiger Gesang, wunderschöne Melodien, tolle Texte.

Die „passt bloß auf, wenn ich erst groß bin“-Geschichte von One Angry Dwarf And 200 Solemn Faces etwa. Oder die Zeilen von Fair: „every couple nights or so / you pop in my dreams / I just can´t get rid of you / like you got rid of me.“

Und ständig dieses Klavier. Man denkt kurz an Udo Jürgens, an Elton John, dann an Billy Joel. Dann denkt man gar nicht mehr, denn man ist gefangen im Zauber von Brick: „She´s a brick / and I´m drowning slowly.“ Ein Hit, ein gottverdammter Hit. Endlich hat auch mal jemand einen spaßigen Song For  The Dumped geschrieben. Unglaublich sophisticated für junge Amerikaner. Selfless, Cold And Composed ist angewalzert, Kate ist Piano-Punk, Smoke ist unsagbar sentimental. Mädchenmusik.

Zu Steven´s Last Night In Town kann man (und sollte man auch) durchaus Swing tanzen. Der Battle Of Who Could Care Less ist mindestens das zweitbeste Stück auf dieser Scheibe. Klasse gesungen, sehr abwechslungsreich und WAS FÜR EIN BASS. Missing The War ist live sicher ein Erlebnis. Evaporated schließlich ist genau der Rausschmeißer, den man schon nach einem Drittel des Albums erahnen kann. Nur noch viel schöner. Eines dieser Stücke, die der Mann am Klavier ganz für sich allein zu spielen scheint, wenn das Lokal fast leer ist und nur noch zwei Heimatlose besoffen an der Bar sitzen.

Da gibt man seinen Kindern Klavierunterricht, und was machen sie damit? Rockmusik. Gott sei dank.

Keine Backsteine, aber eine Invasion von Rollkragenpullovern: Der Clip zum bezaubernden Brick:

Ben Folds bei MySpace.


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