Hingehört: Ben Folds – „Supersunnyspeedgraphic“ 2


"Supersunnyspeedgraphic" ist eine Sammlung von Ben Folds' jüngsten EPs.

Künstler Ben Folds
Album Supersunnyspeedgraphic
Label Sony
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung ***1/2

Man darf sich fragen, was das zu bedeuten hat. Wenn Künstler ein Werk vorlegen, um es dann wenig später selbst wieder zu verändern, zu hinterfragen, zu erweitern. Es mag der Versuch sein, das eigene Schaffen aktuell zu halten. Vielleicht bloß Unzufriedenheit mit der ersten Version. Oder das Auskosten der eigenen kreativen Freiheit.

Bei Ben Folds spielen wahrscheinlich alle drei Argumente zusammen. Auf Supersunnyspeedgraphic liefert er in leicht bearbeiteten Versionen die besten Stücke seiner letzten EPs, die nur im Internet zu bekommen waren, und seines Schaffens mit dem Nebenprojekt The Bens. Kein echtes Album also, aber eine runde Sache.

Der mittlerweile auch schon 40-Jährige genießt den Freiraum und versucht sich mit hörbarem Spaß an höchst unterhaltsamen Coverversionen. Der Cure-Klassiker In Between Days klingt hier, als würde eine Horde pogo-hungriger Zombies in einem Saloon einfallen. Songs Of Love (Divine Comedy) vereint Walzer-Schwung mit Streicher-Grandezza. Get Your Hands Off My Woman gerät noch hysterischer als auf der EP (und als in der Vorlage von The Darkness).

Der Höhepunkt ist Bitches Ain’t Shit, das es irgendwie schafft, gleichzeitig eine Hommage an und eine Persiflage auf Dr. Dre zu sein. Wie sich der Piano-Mann hier in seiner sanftesten Flüster-Stimme im Gangster-Jargon ergeht, ist famos amüsant.

Folds ist allerdings nicht nur auf Klamauk aus. In All U Can Eat zeigt er sich als aufmerksamer Beobachter – eine Rolle, die er schon mit Ben Folds Five perfekt ausfüllte. Auch das schmissige There’s Always Someone Cooler Than You und das berückende Learn To Live With What You Are haben ein paar brauchbare Tipps für das harte Leben da draußen parat.

Vor allem aber macht er in tollen Liedern wie dem grandios sentimentalen Rausschmeißer Still und dem fantastischen Bruised klar, dass kein anderer Songwriter seiner Generation so schlau, so rührend und so wahrhaftig über Herzscheiße singen kann wie er.

Mit dieser Brille und diesem Hut wird die Coverversion von Bitches Ain’t Shit noch ein bisschen skurriler:

Ben Folds bei MySpace.


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