Hingehört: Ben Montague – „Tales Of Flying And Falling“


Hauptsache verliebt, das ist die Pop-Botschaft von Ben Montague.

Hauptsache verliebt, das ist die Pop-Botschaft von Ben Montague.

Künstler Ben Montague
Album Tales Of Flying And Falling
Label Nusic Sounds
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung ***

Was braucht ein moderner Popstar? Natürlich: die Hits. Das ist heutzutage kein Problem mehr, man kann sie im Sechserpack in den schwedischen Songschreiberwerkstätten bestellen. Wie eh und je: den Look. Auch nicht allzu kompliziert, notfalls hilft da Photoshop. Am besten auch noch: die Stimme. Das sollte sich ebenfalls einrichten lassen bei einer nicht nachlassenden Flut an Castingshows, deren einziges Ergebnis es ist, dass man sieht, wie viele überambitionierte und hoffnungslose Kids es dort draußen gibt, die aber zumindest über passables Gesangstalent verfügen.

All das zeigt: Theoretisch kann heutzutage fast jeder ein Popstar werden. Ben Montague erfüllt all die oben genannten Kriterien. Er bringt aber noch etwas anderes mit, das ihn besonders qualifiziert: Identität. Der Engländer schreibt seine eigenen Songs. Und er hat einen Stil entwickelt, den man schon auf seinem Debütalbum Tales Of Flying And Falling wieder erkennt.

Das prägende Instrument ist hier nicht der Computer, sondern die Gitarre. Auch das Songwriting kann man geradezu altmodisch nennen: Es gibt Kompositionen statt Puzzles, von technischen Tricks wie Autotune oder Pro Tools finden sich hier keine Spuren. Stattdessen gibt es Texte, die Slogan-Qualität im genau richtigen Ausmaß haben und immer wieder die Botschaft: Hauptsache verliebt, der Rest ist dann egal. Mehr Pop kann eine Botschaft kaum sein.

Die Single Love Like Stars am Anfang der Platte zeigt schon alle Qualitäten von Ben Montague: eine schöne Melodie, Streicher als unpeinlicher Zuckerguss, dazu Gesang, der zugleich authentisch klingt und doch in den Wolken schwebt. „It starts with a fire / brighter and brighter / we light up the dark / a million sparks“, lautet der Pre-Chorus, eine der besagten Textpassagen mit Sloganqualität.

Mit Another Hard Fall, dessen Klanggewand ein wenig an die Eleganz von Natalie Imbruglias Torn erinnert, folgt gleich die nächste Single-Auskopplung, zudem das Stück, das Ben Montague am meisten am Herzen liegt. „Dieser Song ist mein absoluter Favorit auf meinem Debüt-Album und für mich so wichtig, weil er mein erster Song war, den ich schrieb und weil er prägend wurde für den ganzen Sound auf meinem Album”, sagt er.

„If you’re gonna shoot me down / pull the trigger now“ heißt der nächste Slogan, diesmal im leichtfüßigen, vom Piano getragenen Already Leaving. Auch ganz am Schluss gibt es noch ein Beispiel für diese Methode: “We’re not falling, we’re flying”, singt Ben Montague da im hoch romantischen Rausschmeißer Hummingbird, zu einem Orgelfundament und putzigem Glockenspiel.

Dazwischen gibt es Songs mit viel Punch (False Horizon), schöne Klavier-und-Cello-Kombinationen wie Deep End, auch mal Zurückhaltendes wie Brakes. Herrlich rund und organisch klingt Still Young, die Backing-Vocals von Lucie Silvas veredeln das spannende Liberty Road.

Auch die Klavierballade Haunted (in einer neuen Version, mit schön federndem Schlagzeug, pompösen Streichern und viel zu makellos, um in die Nähe von Kitsch geraten zu können) ist auf Tales Of Flying And Falling dabei – der Song, der die Karriere von Ben Montague schon im Jahr 2009 in Gang setzte. Ausschlaggebend dabei war bezeichnenderweise das Radio, die Heimat des Pop. Viele englische Sender spielten den eingängigen Song, den man damals aber dummerweise noch gar nicht kaufen konnte, weil Ben Montague noch keinen Plattenvertrag hatte. „Es war seltsam, in Shops zu gehen oder in Pubs zu sitzen, und meine eigenen Songs zu hören – sowie die Reaktionen der Leute wahrzunehmen und zu wissen, dass niemand sie kaufen konnte”, wundert sich der Mann aus der Grafschaft Kent noch heute.

Übereilen wollte er trotz dieser guten Ausgangsposition nichts. Vielmehr arbeitete er geschlagene zwei Jahre an dieser Platte, gemeinsam mit Produzent Dave Eringa (Kylie Minogue, Manic Street Preachers). „Das war immer mein Traum – ein Album mit einem Produzenten in einem Studio zu machen. Mir Zeit zu nehmen, um sicher zu gehen, dass jeder Song so gut wie möglich wurde“, erzählt Ben. „Die Arbeit mit Dave war erstaunlich. Er ist ein Rock-Typ und ich schreibe Pop Songs – so trafen wir uns in der Mitte.“

Der beste Beleg dafür ist Sweet Amelia, der absolute Höhepunkt des Albums. Wie eine rasante Version der Gin Blossoms oder ausnahmsweise extrem gut gelaunte Counting Crows kommt dieser Song daher, voller Optimismus – und die Freude an der eigenen Unvernunft.

Ich sag’s doch: Gitarre, Wolken und ein hübsches Gesicht – alles da im Video zu Another Hard Fall:

Homepage von Ben Montague.

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