Bob Dylan – „Greatest Hits“ 8


Künstler Bob Dylan

„Greatest Hits“ beweist: Mit 26 Jahren hatte Bob Dylan schon einen Katalog für die Ewigkeit.

Album Greatest Hits
Label Columbia
Erscheinungsjahr 1967
Bewertung

Was soll man sagen? Zwölf Songs sind auf der Hülle aufgelistet, darunter Blowin In The Wind, It Ain’t Me Babe, Mr Tambourine Man, It’s All Over Now, Baby Blue und Like A Rolling Stone. Darunter steht: „All tracks written by B. Dylan.“ Dieser Bob Dylan war bei Erscheinen der Werkschau gerade 26 Jahre alt und hatte schon ein Dutzend Monumente hingelegt.

Klassiker wie Blowin In The Wind, das den Auftakt macht. „It was just another song I wrote“, meinte der Meister einst dazu, doch mit diesem Urteil steht er ziemlich alleine da. Für seinen Biograph Gottfried Blumenstein ist es „als Lied ein Jahrhundertereignis, vergleichbar mit Luthers Choral Eine feste Burg ist unser Gott, der Marseillaise und der Internationalen„. Laut Nik Cohn haben diese 2:51 Minuten „den Pop erwachsen gemacht, ihm Verstand gegeben“.

Auch jenseits der historischen Dimension beeindruckt die unscheinbare Perfektion des Stücks. Die Message wird nicht in Metaphern versteckt, die Struktur ist leicht berechenbar, die Melodie lächerlich einfach. Das macht den Song künstlerisch so gelungen und in der Wirkung so massenkompatibel, in der Summe also zur Hymne.

Dieselbe Transparenz machen auch das Anziehende von It Ain’t Me Babe (hier bis zur Schonungslosigkeit gesteigert) und The Times They Are A-Changin (hier plakativ und voller eindrucksvoller Bilder) aus.

Schnell war er nach solchen Songs „the man who defined his generation“ (New York Times). Weil er aber nicht den Führer spielen wollte, flüchtete sich Bob Dylan in unerreichten Impressionismus wie Mr Tambourine Man und ins Private. Herbeiassoziierte Bilderfluten paaren sich da mit ganz konkreten Gehässigkeiten, ob in She Belongs To Me, oder It’s All Over Now, Baby Blue. Es gehört Genie dazu, dabei nicht beliebig zu werden, sondern unverwechselbar.

Schließlich zeigt er auch seine Seite als Rocker und Rabauke. Ob Subterranean Homesick Blues, Rainy Day Women Nos. 12 & 35 oder Like A Rolling Stone: Aufrütteln will er noch immer. „Er war immer ein Störer des Friedens, auch des eigenen Friedens“, hatte Jack Nicholson bei Dylans Einführung in die Rock’n’Roll Hall of Fame ganz richtig behauptet. So hat sich Dylan immer verweigert, gewehrt und sich einen Spaß daraus gemacht, Erwartungen nicht zu erfüllen. Das hat in seiner Musik die Spannung gehalten und ihm zugleich neue Perspektiven eröffnet.

Vielleicht war es dieser fast kindliche Trotz, der ihn stets voran getrieben hat. Nicht umsonst ist Dylan dann am besten, wenn er nachtritt, beleidigt ist oder um seinen majestätischen Stolz kämpft. One Of Us Must Know zeugt davon, I Want You und natürlich Just Like A Woman. Was für eine Platte.

Van Morrison singt It’s All Over Now, Baby Blue live beim Rockpalast:

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