Hingehört: Brian Eno – „Drums Between The Bells“


"Drums Between The Bells" bietet Getragenes in vielen Facetten.

„Drums Between The Bells“ bietet Getragenes in vielen Facetten.

Künstler Brian Eno
Album Drums Between The Bells
Label Warp
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Drums Between The Bells heißt das neue Album von Brian Eno. Das ist keineswegs eine Anspielung auf die Doo-Wop-Musik, die er als kleiner Junge liebte, die gerne mit Glöckchen und satten Beats arbeitete und der er nun womöglich auf seinem (je nach Zählung) 44. Studioalbum frönen könnte. Es ist auch keine Metapher für seinen Ambient-Sound, den der einstige Roxy-Music-Keyboarder und spätere Coldplay-Produzent im Laufe der Jahre erfunden und entwickelt hat. Im Gegenteil: Der Titel stammt gar nicht von ihm.

Denn Brian Eno arbeitet auf Drums Between The Bells mit Rick Holland zusammen, dessen Werk er schon seit mehr als zehn Jahren bewundert und der hier alle Texte beigesteuert hat. „Drums between the bells“ ist eine seiner Zeilen, enthalten auf Sounds Alien, dem von Bläsern und wildem Schlagzeug getriebenen, mit Abstand härtesten Track auf dieser Platte.

Das geradezu hyperaktive Stück ist damit ein Ausreißer, denn ansonsten liefert Eno wie schon auf dem Vorgänger Small Craft On A Milk Sea eher getragene Sounds, in unzähligen Facetten und interpretiert von vielen verschiedenen Stimmen. Zum Auftakt, im spannenden, unruhigen Bless This Space, ist der Meister selbst zu hören, mit einer Stimme, die man durchaus gebieterisch nennen kann. Dazu gibt es fast nur Rhythmus, und dann eine kaputte E-Gitarre.

Auch auf Fierce Aisles Of Light singt Eno selbst, in diesem Fall gemeinsam mit Nick Robertson, Anastasia Afonina und seinem Texter Rick Holland. Die Stimmen entwickeln hier einen reizvollen Kontrast vor einem Hintergrund, der fast nur Rauschen ist – oder das letzte Röcheln der Maschinen vor dem Kollaps. In Dow lässt Eno seinen verfremdeten Gesang von Bongos begleiten. Die stärksten Momente hat er am Schluss: Cloud 4 ist beinahe Soul, so sehr geht seine Stimme, über einer Orgel schwebend, da durch Mark und Bein. Im Rausschmeißer Breath Of Crows hallt diese Stimmung nach, als würde der Wind durch einen Brian-Eno-Traumfänger wehen.

Auch wenn er nur für die Musik auf Drums Between The Bells sorgt, überzeugt Eno. Glitch setzt auf Breakbeats, eine treibende Orgel und eine Roboterstimme (die eigentlich zu Grazyna Goworek gehört). Caroline Wildi spricht in Dreambirds zu einem hübschen Klavier, bekommt es in A Title mit einem Uralt-Synthie zu tun und entführt den Hörer in Seedpods nach Indien – wohl wissend, dass das Land inzwischen auch eine Computernation ist.

The Real (mit dem Gesang von Elisha Mudly) lässt erahnen, wie wohl die Träume von The XX klingen könnten. Was Aylie Cooke zu dem cleveren Beat von Multimedia veranstaltet, ist nichts anderes als Rap, zuvor hat sie auch auf The Airman für einige Bedrohlichkeit gesorgt.

Der Höhepunkt des Albums gehört aber Laura Spagnuolo und heißt Pour It Out. In einer verwunschenen Klanglandschaft, die an Enos Beiträge zum Trainspotting-Soundtrack denken lässt, mit Streichern und einer sphärischen Gitarre, die wie ein Klavier klingt (oder umgekehrt), scheint sie da aus einem Biologie-Buch zu rezitieren. Das Ergebnis wirkt keineswegs banal, sondern bedeutend.

Das ist überhaupt erstaunlich an Drums Between The Bells: Den auch vom Titel vermittelten Eindruck, das hier ganz kalkuliert musiziert wird, dass man diese Tracks spielend leicht sezieren und ihre Einzelteile offen legen könnte, stützen fast alle Stücke. Und doch bleibt da ein Rätsel, ein Zauber. Keine Frage: Hier ist das Ganze auf jeden Fall mehr als die Summe seiner Teile.

Zum Hören: Pour It Out. Satt eines Videos gibt es das Albumcover, das Fotos von Sao Paolo zeigt, die Brian Eno selbst gemacht und bearbeitet hat:

Brian Eno bei MySpace.

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