Hingehört: Bright Eyes – „The People’s Key“ 2


"The People's Key" zeigt Bright Eyes etwas elektronischer und rockiger.

„The People’s Key“ zeigt Bright Eyes etwas elektronischer und rockiger.

Künstler Bright Eyes
Album The People’s Key
Label Universal
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

Er ist schon ein cleverer, kleiner Bastard, dieser Conor Oberst. Um seine ersten Lieder unters Volk zu bringen, ließ der damals 13-Jährige seinen großen Bruder eigens eine Plattenfirma gründen. Später in seiner Karriere lebte er sein musikalisches Talent wahlweise als Bright Eyes, Park Ave, Desaparecidos, Monsters Of Folk oder Conor Oberst aus. Wenn er seinen ersten Fernsehauftritt hat (2002 bei David Letterman), dann spielt er natürlich kein Lied vom Erfolgsalbum Lifted Or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground, sondern ein brandneues, unbekanntes Stück.

Nun veröffentlicht er mit den Bright-Eyes-Mitstreitern Mike Mogis und Nate Walcott The People’s Key, den ersten Longplayer nach fast fünf Jahren Pause. Er sorgt nicht nur für einige Vorab-Spannung, indem er Gerüchte streut, das Album würde das letzte von Bright Eyes werden, und zudem eher elektronisch und rockig klingen. Er bettet die neuen Lieder auch in so etwas wie schamanische Gebete ein, die Denny Brewer, ein Kumpel von Conor Oberst, hier immer wieder spricht. „Problems of the future can be solved by mankind because you create them. And you have to believe in the future. That’s what we have to do”, heißt eines seiner Gebote, gleich zu Beginn.

Man kennt solche Rahmenhandlungen aus dem HipHop – und dort nervt es meist, dass sie Songs von überflüssigen Skits unterbrochen werden. Bei Bright Eyes funktioniert die Methode anders: Sie sorgt dafür, dass The People’s Key ein ganzes Stück bedeutsamer klingt. Die Bibel, Hitler, das Wesen der Sprache, Einstein – all diese Themen werden in den Beschwörungen von Brewers seltsam verfremdeter Stimme angerissen. Das allein sorgt schon dafür, dass niemand auf die Idee käme, in The People’s Key einfach nur ein paar hübsche Liedchen zu sehen.

Das ist aber ziemlich genau das, was Bright Eyes hier abliefern. In der Tat wird es gelegentlich ein bisschen rockiger als gewohnt, zudem erkundet Conor Oberst vor allem mit geschickt eingesetzten Gesangseffekten und komplexen Beats weiter die elektronischen Welten, in die er sich schon auf Digital Ash In A Digital Urn (2005) gewagt hatte.

Firewall beginnt nach dem Monolog von Brewer mit einer Gitarre, die am letzten aller Tage gebaut worden zu sein scheint, auch ein bisschen Stevie-Wonder-Funk am Ende kann dem Stück nicht seine Düsternis austreiben. Das träge Approximate Sunlight hat ebenfalls diese Endzeit-Atmosphäre, der spinnerte Titeltrack scheint sich gleich in eine ganz andere Welt zu sehnen. Und auch die Rolle als untröstlicher Romantiker im Ladder Song steht dem 31-Jährigen natürlich gut.

Dazu gibt es große Pop-Kunst. Jejune Stars gönnt sich am Anfang ein paar Sekunden Metal, dann gibt es eine enorme Leichtigkeit und ein herrlich verspieltes Arrangement. Haile Sellassie ist ebenso schön wie putzig. One For You, One For Me profitiert am Ende von einer großen, sehr zurückgenommenen Eleganz. An die Heiterkeit und den Schwung von Fountains Of Wayne erinnern Beginner’s Mind und Tripal Spiral.

An erster Stelle ist hier aber die Single Shell Games zu nennen. Die Komposition ist klassische Piano-Songwriter-Schule, könnte also auch Ben Kweller oder Ben Folds sein. Doch bei Bright Eyes ordnen sich um diesen Kern auch noch Schichten aus Schlock-Rock, Achtziger-Keyboards, Arcade-Fire-Dramatik und einem Chor aus Computerstimmen an. Sehr clever.

Auch im Video zu Shell Games herrscht offensichtlich ein Akustikgitarrenverbot. Und außerdem lebt der Clip die Textzeile aus: Madness is the only place to be free:

Bright Eyes bei MySpace.


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