Hingehört: Cat’s Eyes – „Cat’s Eyes“


Verschmolzen, auch auf dem Cover: Faris Baldwan und Rachel Zeffira sind Cat's Eyes.

Verschmolzen, auch auf dem Cover: Faris Baldwan und Rachel Zeffira sind Cat's Eyes.

Künstler Cat’s Eyes
Album Cat’s Eyes
Label Loog Records
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ****

Ein Manifest. Nichts weniger erwartet man von einem Lied, das so heißt wie das Debütalbum, das so heißt wie die Band. Und auch noch mit den Worten „Let me tell you something“ beginnt.

Cat’s Eyes, das erste Lied auf Cat’s Eyes, dem Debütalbum von Cat’s Eyes, erfüllt all diese Bedingungen, ist aber trotzdem weit davon entfernt, die klangliche Definition dieser Band zu sein. Vielmehr führt der Opener in die Irre. Eine düstere Bassfigur, stoische Drums, eine kaputte Männer- und eine kokette Frauenstimme – genau so hatte man sich das Ergebnis vorgestellt, wenn sich The-Horrors-Sänger Faris Baldwan mit einer kanadischen Opernsängerin namens Rachel Zeffira zusammen tut. Die Raveonettes lassen da grüßen, und natürlich Nick Cave und Kylie Minogue.

Aus den Kombinationen „Die Schöne und das Biest“, „die Virtuosin und der Autodidakt“ oder auch „Tradition und Avantgarde“ könnte man bei Cat’s Eyes in der Tat ein paar wunderhübsche Klischees stricken. Doch das Duo zeigt schon mit dem zweiten von zehn Liedern, dass es keine Lust hat, sich am Erwartbaren zu orientieren. Best Person I Know ist eine zauberhaft sanfte Liebeserklärung im Stile von Saint Etienne. „You’re the best person I know, it’s true / all my best times are with you“, heißt die Erkenntnis. So simpel ist das manchmal, und Cat’s Eyes wollen genau diese Einfachheit in ihren Songs erhalten. “We wanted the musical arrangements to evolve quite a bit, but to keep the lyrics simple and unaffected”, sagt Rachel Zeffire. Und Faris Baldwan hat ebendies im Sinn. “They’re direct, and most people can connect with them”, erklärt er die Texte – und betont zugleich: “I don’t think they’re throwaway.”

Über gemeinsame Freunde lernte sich das Duo 2009 kennen. Faris schickte eine Mix-CD mit seinen liebsten Girlgroup-Songs an Rachel. Sie schickte ihm als Antwort ein Demo, aus dem dann The Lull wurde, eine Traummusik mit vielen Holzbläsern und Geigen, und schließlich eine kongeniale musikalische Partnerschaft.

Bis auf einige Orchester-Parts, die in den Abbey-Road-Studios eingespielt wurden, haben Rachel und Faris alles an Cat’s Eyes (aufgenommen übrigens im Studio von Peter Gabriel) selbst gemacht. Rachel spielt unter anderem Klavier, Geige und Oboe und hat für ihre Gesangsleistungen schon reichlich Preise eingeheimst. Faris hat in punkto Virtuosität nichts dergleichen zu bieten, steuert bei Cat’s Eyes aber den Part der kreativen Dekonstruktion bei. “I was always interested in having a project that makes heavy use of electronics, but still sounds warm and human,” erzählt der Horrors-Sänger. Mit Cat’s Eyes hat er dieses Projekt gefunden und sorgt nun (am deutlichsten in Sooner Or Later, dem einzigen Track, der in den Fußstapfen des düsteren Openers wandelt) mit allerlei Effekten, Zerstückelung und Verfremdung dafür, dass hier vieles elegant und hübsch, aber nichts zu glatt oder gar kitschig klingt.

„You know I’m not the prettiest girl / I’m realistic”, singt Rachel im herrlichen I’m Not Stupid, dazu erklingen eine Oboe, Streicher, ein müdes Ragtime-Piano und etwas, das wie eine Kirchenglocke aus Marzipan klingt – und das Ergebnis ist so betörend schön, dass man ihr diese Zeile einfach nicht abkaufen kann. Face In The Crowd tobt sich irgendwo zwischen Edwyn Collins’ A Girl Like You und dem Charme der Pipettes aus und kommt mit seinem verspielten Refrain dem ursprünglichen Cat’s-Eyes-Ziel, Girlgroups wie den Shangri-Las oder Ronettes nachzueifern, am nächsten von allen hier versammelten Stücken.

Not A Friend spielt mit Country-Elementen, Bandit lässt erahnen, wie ein James Bond-Soundtrack aus der Feder von Ennio Morricone hätte klingen können. Over You hat ebenfalls reichlich Opulenz zu bieten, aber noch mehr Schmiss, wie The Stars oder die Moonbabies in ihren kraftvollsten Momenten. Und spätestens beim zartbitteren Rausschmeißer I Knew It Was Over möchte man einfach nicht mehr glauben, dass die eine Hälfte dieses Duos jahrelange vor sitzenden Langweilern gesungen hat und die andere Hälfte einer Band entstammt, die Videos mit explodierenden Genitalien drehte.

Das ist, neben vielen guten Songs und einer traumhaften Atmosphäre, das Beste an Cat’s Eyes: Keine einzige Sekunde dieses Album klingt wie ein Vanity-Project. Stattdessen wirkt die Kombination perfekt, sogar zwangsläufig. Hier haben sich zwei gefunden, die sich tatsächlich gegenseitig bereichern – und wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir dabei zuhören dürfen.

Kein schlechter Ort für den ersten Gig: Cat’s Eyes spielen (dank der Klassik-Connections von Rachel Zeffire) I Knew It Was Over live im Petersdom:

Cat’s Eyes bei MySpace.

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