Hingehört: Clap Your Hands Say Yeah – „Clap Your Hands Say Yeah“ 2


Clap Your Hands Say Yeah: irrer Country aus dem Netz.

Künstler Clap Your Hands Say Yeah
Album Clap Your Hands Say Yeah
Label Wichita
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung ****

Es ist das alte Lied, aber lasst sie uns noch einmal singen: die Ballade von der maroden deutschen Popkultur. In Großbritannien starteten die Arctic Monkeys ihre Karriere im Internet. Eigene Songs, mit Libertines-Gitarren und Lyrikseminar-Texten, machten zuerst als Demos im Netz die Runde. Inzwischen sind die Mannen um Alex Turner im Königreich ein Household-Name.

Und Deutschland? Da kam die Gruppe Tekkan diesem Phänomen am nächsten. Allerdings war bei ihnen die Musik bei einem Schlagersong geklaut und der Text radebrechend dumm. Inzwischen interessiert sich nicht einmal mehr Stefan Raab für sie.

In den USA sorgten Clap Your Hands Say Yeah zuerst online für Furore. Das Quintett erspielte sich mit Konzerten eine eingeschworene Fangemeinde, setzte bei den Shows auch erstaunliche Stückzahlen seiner selbst aufgenommenen Songs ab und wurde schließlich über das Internet, wo es die Stücke dann auch für A&R-Männer und Hipster zu hören gab, zur großen Nummer.

Beim ersten Hören ähneln Clap Your Hands Say Yeah allerdings eher der Gruppe Tekkan. Zumindest deren, naja: Originalität ist auch hier nicht zu verkennen. Diese Platte klingt wie nichts anderes zuvor. Verschroben, irre, fremd. Mitreißend, spannend, faszinierend.

Das Intro ist schräger Gesang zu einer Leierkasten-Musik, gestützt von einer Rhythmusgruppe aus Händeklatschen (tara!) und Pauken, die so verstaubt klingen, als seien sie zuletzt eher als Hutschachteln benutzt worden. Auch Let The Cool Goddess Rust Away hat dieses geisterhafte Rumpeln, dazu den Gesang von Alec Gunsworth, der stets klingt, als würde er auf dem Weg zum Schafott seinen Henker anschreien, halb weinend, halb tobsüchtig – und in jedem Fall volltrunken und hundemüde. Is This Home On Ice hat einen willkommenen Cure-Gitarrensound, Gimmie Some Salt ist funky, allerdings nur heimlich, unter der Bettdecke.

Wie diese Bands aber tatsächlich so etwas wie Hits haben konnte, erkennt man erst, wenn man die Platte sehr, sehr oft gehört hat. Dann entwickeln Details Of The War mit seiner Mundharmonika und der Schlagzeug-Dramatik und auch der Rausschmeißer Upon This Tidal Wave Of Young Blood mit großartigem Bass einen subtilen Drive, der an Arcade Fire erinnert. The Skin Of My Yellow Country Teeth kann man sich (trotz dieses Titels) sogar in der Indie-Disco vorstellen, freilich erst zu später Stunde.

Is This Love ist leider keine Coverversion des Klassikers von Bob Marley, hat aber dafür die schöne Textzeile „We can do the Zarathustra“ und ist darüberhinaus ein an Komplexität und Leidenschaft kaum zu überbietender Feger. Auch das wilde Heavy Metal lässt in diesem Punkt keine Wünsche offen: „What happened to our heavy metal? / what happened to our coat of arms? / we find that we’re stuck in the middle / picking up the pieces of our hearts“, singt Alec Gunsworth da. Mit solchen Texten und so viel Furor gelingt dann doch noch lässig der Sprung auf die Arctic-Monkeys-Seite.

Live noch ein Stückchen härter (und irrer) als auf der Platte: The Skin Of My Yellow Country Teeth:

Clap Your Hands Say Yeah bei MySpace.


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