Hingehört: Clap Your Hands Say Yeah – „Some Loud Thunder“ 5


"Some Loud Thunder": Das ist kein Fehler. Das soll wirklich so klingen.

Künstler Clap Your Hands Say Yeah
Album Some Loud Thunder
Label Wichita
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Die Geschichte ist natürlich so gut, dass sie auch hier noch einmal erzählt werden soll: Als die ersten Kopien von Some Loud Thunder vorab an erlesene Musikjournalisten verschickt waren, riefen nicht wenige von denen bei der Plattenfirma an. Sie fragten besorgt, ob das wirklich so klingen soll, oder ob da vielleicht ein technischer Fehler vorliegt. Denn der (von einem irren Tamburin und einer sadistischen Kuhglocke angetriebene) Titelsong am Anfang des Albums ist völlig übersteuert. Er klingt wie ein malayischer Ghettoblaster aus dem Jahr 1932. Nachdem genau auf dem Pause-Knopf eine Atombombe explodiert ist. Unter Wasser.

Aber seien wir ehrlich: Im Prinzip traf das auch auf das Debütalbum der New Yorker zu. Clap Your Hands Say Yeah machen Musik wie niemand sonst. Und die Frage, ob das absichtlich so klingt, die hätte man auch damals schon stellen können.

Allerdings ist dieser Überraschungseffekt nun weg, und das ist ein bisschen das Problem von Some Loud Thunder. Beim Debüt fand man die Lieder einfach an sich aufregend, weil man dergleichen noch nie gehört hatte. Diesmal müssen die Songs schon von selbst Spannung aufbauen, und nicht alle schaffen das. Upon Encountering The Crippled Elephant beispielsweise ist ein 73 Sekunden langes Nichts, Love Song No.7 holt dagegen ganz weit aus, kommt aber nirgends an. Arm And Hammer ist selbst für die Verhältnisse dieser Band experimentell, und das bedeutet: schmerzlich nah an der Unhörbarkeit.

Anderes ist gewohnt irre (Emily Jean Stock klingt, als hätten Manowar im Ersten Weltkrieg die Songs von Wilco gespielt, im außerirdischen Goodbye To Mother And The Cove schlagen Gitarren wie Tsunami-Wellen über einem Harfen-Motiv zusammen). Ein paar Stücke sind sogar klasse. Mama, Won’t You Keep Them Castles In The Air And Burning? hat mit seinem sanften Bass und dem Gespenster-Chor eine wunderbare Dramatik. Satan Said Dance beginnt wie ein Song von Aphex Twin (oder meinetwegen dem Crazy Frog, wo ist da der Unterschied?), entwickelt dann aber einen in der Tat diabolischen Drive.

Yankee Go Home ist der unbestrittene Hit dieser Platte: Alec Gunsworth singt wie ein Besessener, und das Schlagzeug scheint sich so sehr davor zu fürchten, dass es die Flucht nach vorn ergreift. Beinahe ein konventioneller Rocksong ist Underwater (You And Me), wenn konventionelle Rocksongs von Marching-Bands auf dem Grund des Silbersees aufgenommen würden. Das reicht, um aus Some Loud Thunder als Ganzes ein Erlebnis zu machen; und es reicht, um Clap Your Hands Say Yeah die Treue zu halten. Doch beim nächsten Mal müssen sie ein irres Album abliefern, um nicht ins Comedy-Fach zu taumeln. Immerhin: Irre können sie ja.

Texas wird blasphemisch: Satan Said Dance live beim Austin City Limits Festival:

Clap Your Hands Say Yeah bei MySpace.


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