Hingehört: Cowbell – „Beat Stampede“


Nur Schlagzeug und Gitarre - mehr brauchen Cowbell nicht für ein feuriges Debüt.

Nur Schlagzeug und Gitarre – mehr brauchen Cowbell nicht für ein feuriges Debüt.

Künstler Cowbell
Album Beat Stampede
Label Damaged Goods
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***1/2

Die Liste seltsamer englischer Erfindungen ist, nunja, nicht gerade kurz. Die Tapete, das Maschinengewehr, die Briefmarke, der Dosenöffner oder der Staubsauger stehen darauf. Und natürlich Boy George. Jetzt kommt noch eine neue Erfindung dazu: die perfekte Mitte aus den White Stripes und BossHoss.

Erfunden wurde diese Mischung im Nordosten von London, und zwar von Jack Sandham und Wednesday Lyle. Ersterer ist schon eine ganze Weile musikalisch unterwegs, Letztere spielt erst seit wenigen Jahren Schlagzeug. Seit sie sich als Cowbell zusammengetan haben, läuft es rund für die Beiden. Die ersten Singles haben Radiomachern und -hörern im UK gefallen, und mit Beat Stampede gibt es nun ein wunderbar feuriges Debütalbum.

Dass dieser Sound, der manchmal tatsächlich nach den Berlinern von BossHoss klingt, noch öfter allerdings nach Wüste oder Motown, ausgerechnet aus England kommt, verwundert nur auf den ersten Blick. Schließlich haben Bands wie die Zombies oder die Small Faces schon vor Jahrzehnten diese Verbindung aufgebaut. Cowbell pflegen diese Geistesverwandtschaft nicht bloß – sie reiten sie.

Tallulah setzt gleich zu Beginn der Platte auf ein mächtiges Stampfen, eine rotzige Gitarre und den sehr coolen Gesang von Jack Sandham. Viel Rockabilly-Attitüde strahlt Mississippi aus, dessen Gitarrensolofinale wohl Jack White die Tränen in die Augen treiben dürfte. Bills bekommt Handclaps, ein Saxofon und viel Tempo verpasst, Scratch My Back ist sagenhaft lässig und sexy.

Auch die drei Singles, die Cowbell vorab veröffentlich hatten, sind auf Beat Stampede noch einmal vertreten. Hanging By A Thread lässt die Soul-Vorlieben von Cowbell am deutlichsten erkennbar werden. Never Satisfied klingt, als würden The Kills versuchen, sich eine ganze Schubkarre voll texanischem Staub aus den Kleidern zu schütteln. Und Oh Girl, mit dem das Duo im Juli 2010 sein Debüt vorgelegt hatte, hat seitdem nichts von seiner Wucht und Wildheit verloren.

Zweimal tritt Wednesday Lyle auf Beat Stampede als Sängerin auf. Das dreckige Love Got Me Down lässt an The Duke Spirit denken, im eher getragenen Castle Walls beschwört ihre Stimme zu düsterem Picking eher Erinnerungen an Nico herauf. Für All In Good Time ganz am Ende der Platte greift dann aber wieder Jack Sandham zum Mikro. Die Ballade gelingt wunderbar, und dennoch hat man den Eindruck, dass es Cowbell ungemein schwer fällt, ausnahmsweise einmal nicht Vollgas zu geben. Das Mittel, das dieses Duo bremsen kann, muss wohl erst noch erfunden werden.

19 Sekunden Schweigen und 142 Sekunden toller Rock’N’Roll: Das Video zu Never Satisfied.

Homepage von Cowbell.

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