Hingehört: D-Sound – „My Today“


Man sollte Aufzüge in Norwegen meiden. Dort könnte "My Today" erklingen.

Künstler D-Sound
Album My Today
Label Edel
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung *1/2

Musik sei die Negation der Sprache, das Anti-Wort, hat Milan Kundera in Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins geschrieben. So hat er das aber sicherlich nicht gemeint: Die Texte von D-Sound sind ebenfalls gar nicht vorhanden. Zwar gibt es hier Worte, aber keinen Inhalt.

Hülsen und Slogans wie „Sing it!“ und „Try this!“ verkleben den ersten Song Universally, auch sonst wird auf den Songs des Trios mit einer Infantilität gereimt, wie man sie allenfalls Zwölfjährigen durchgehen lassen würde, die gerade ihr erstes Wochenende im Denk-Positiv-Workshop hinter sich haben.

Man ist deshalb schon dankbar, dass der zweite Song so konsequent ist und mit „Dida da dadada“ beginnt, und dann kann man auch die Stärken des deutsch-norwegischen Trios erkennen. Da ist zunächst einmal die Stimme von Sängerin Simone (gebürtig aus Freiburg): einschmeichelnd, angenehm und doch markant. Dazu kommt die Musikalität von Schlagzeuger Kim Ofstad und Bassist Jonny Sjo, die sich am Berkeley College of Music kennen gelernt haben. Und schließlich eine ausgeprägte Vorliebe für luftig-leichten Pop mit Black-Music-Einschlag.

Damit haben D-Sound nicht nur die Norweger (dort erreichen ihre Platten Platin-Status) für sich begeistern können, sondern auch renommierte Kolaborateure gewonnen. Tony Momrelle von Soul II Soul singt auf der netten Single Birthday mit, der sonst eher maulfaule Jazz-Liebling Till Brönner leiht dem sanften Sigh ebenfalls seine Stimme, und natürlich seine Trompete.

Jazz findet sich auch sonst hier gekommt angedeutet, ebenso wie Funk und Soul. Handwerklich ist das alles bestens gemacht, nur die Substanz fehlt. Schöne Musik für den Aufzug. Oder die Tanzschule.

Ein Heimspiel für Sängerin Simone: Birthday live im Jazzhaus in Freiburg:

D-Sound sind (Gott sei Dank) nicht bei MySpace.

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