Hingehört: Deadmau5 – „Album Title Goes Here“


Deutlich inspirierter als der Name der Platte ist die Musik auf "Album Title Goes Here".

Deutlich inspirierter als der Name der Platte ist die Musik auf „Album Title Goes Here“.

Künstler Deadmau5
Album Album Title Goes Here
Label Parlophone
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Ich gebe gerne zu: Ich mag meine Elektroheinis am liebsten, wenn sie in Wirklichkeit verkappte Rocker sind. Daft Punk rocken, Justice rocken, die Chemical Brothers natürlich erst recht. Joel Zimmermann a.k.a. Deadmau5 hat also gute Karten bei mir: Er war nicht nur der erste Act aus dem Reich der elektronischen Musik überhaupt, der das Cover des Rolling Stone zieren durfte. Er hat unlängst (bei den Grammy Awards) auch mit den Foo Fighters auf der Bühne gestanden. Und er hat nun, für seinen vierten Longplayer Album Title Goes Here auch noch Gerard Way zur Zusammenarbeit überzeugen können, seines Zeichens im Nebenberuf Model für entartete Frisuren und im Hauptberuf Sänger bei My Chemical Romance.

Das Ergebnis ist die Single Professional Griefers. Schon als Instrumental-Version, die Deadmau5 beispielsweise in seinem Set als Headliner beim Lollapalooza erklingen ließ, hatte das reichlich Punch. Mit der Stimme von Gerard Way wird der Track noch aggressiver – Does It Offend You Yeah? lassen grüßen.

Die insgesamt vier Stücke mit Gesang sind auch darüber hinaus die besten Momente von Album Title Goes Here. Die Zusammenarbeit mit den Rappern von Cypress Hill (Failbait) ist einer der seltenen Glücksfälle, in denen die Künstler links und rechts vom „feat.“ gleichberechtigt glänzen können, weil sie beide ihre größten Stärken einbringen. Die Stimme von Imogen Heap (ja genau, die hat auch schon für, naja, Rocker wie Jeff Beck, Jon Hopkins, Julian Lennon oder Jon Bon Jovi gesungen) macht Telemiscommunications zu einem verführerischen, zarten Höhepunkt. Zunächst irritierend ist The Veldt mit dem Gesang von Chris James. Der Track, der von einer Kurzgeschichte von Ray Bradbury inspiriert wurde, ist erstaunlich leicht und sanft und rückt auch wegen der zentralen Textzeile „The world that the children made“ sogar in die Nähe des Sounds von Owl City.

Mit Vielfalt glänzen allerdings auch die Instrumental-Stücke. Beim Umbau seines Studios in seiner Heimatstadt Toronto hat Deadmau5 offensichtlich ein paar neue Sounds und viele neue Ideen gefunden. Channel 42 ist einpeitschend, aber dennoch warm. Das straighte There Might Be Coffee hat nichts anderes im Sinn als den Dancefloor. Maths könnte man sich sehr gut von Justice vorstellen (es rockt also). Closer, nach Auskunft von Deadmau5 stark vom Science-Fiction-Film Die unheimliche Begegnung der dritten Art (1977) beeinflusst, hat einen tollen Spannungsbogen. Das entspannte Sleepless wird, nicht nur wegen der Computerstimmen, die das Lied einrahmen, ein reizvoller Kontrapunkt für diese Platte.

Ganz oft werden die Stücke um alte Synthie-Sounds herum aufgebaut, bleiben ebenso lebendig wie vielschichtig. Ein Problem hat Album Title Goes Here trotzdem: Mit knapp 80 Minuten Spielzeit für 13 Tracks ist es ein gutes Stück zu lang. Das ziellose Take Care Of The Proper Paperwork mit seinen Dub-Avancen oder der arg gewöhnliche House von October sind Beispiele für Momente auf dieser Platte, in denen man sich gewünscht hätte, Deadmau5 hätte seiner Kreativität ein bisschen weniger Freilauf und dafür ein bisschen mehr Konzentration gegönnt. Aber dieses Problem haben so manche Gitarrenrocker schließlich auch.

Gerard Way kann nicht tanzen, beweist diese Live-Performance von Professional Griefers:

Homepage von Deadmau5.

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