Hingehört: Die Antwoord – „Ten$Ion“


Die Antwoord haben auf "Ten$Ion" leider nichts zu sagen.

Die Antwoord haben auf "Ten$Ion" leider nichts zu sagen.

Künstler Die Antwoord
Album Ten$Ion
Label Downtown
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung **

Wenn es irgendwann irgendwo einen Freizeitpark geben sollte, der sich verschiedenen Musikstilen widmet, dann könnten Die Antwoord rund um die Achterbahn, Geisterbahn und Autoscooter in der Abteilung „Rap“ spielen. Denn das 2008 gegründete Trio aus Südafrika schafft es auf seinem zweiten Album Ten$Ion einerseits immer wieder, die Quintessenz des Genres ins Zentrum seiner Tracks zu stellen. Und andererseits klingen Die Antwoord so unauthentisch, kalkuliert und oberflächlich wie der Spaß, der in Freizeitparks verkauft wird.

Ninja, Yo-Landi Vi$$er und DJ Hi-Tek machen offensichtlich nur aus einem Grund Musik: Sie wollen ein bisschen stänkern und dabei mächtig Spaß haben. Das gelingt – Ten$Ion hat reichlich Wumms und Partypotenzial. Aber das Album krankt daran, dass man den Gedanken nicht aus dem Kopf bekommt, Die Antwoord könnten auch Jetski fahren, Hüpfburgen testen oder ihr Leben mit Tortenschlachten verbringen, um dasselbe Ziel zu erreichen. Musik ist für sie nur ein Mittel zum Zweck, und vor allem im HipHop, der Aggressivität und Herzblut braucht, zumindest aber Ehrgeiz, ist das ein Problem.

Ten$Ion beweist: Wenn man sich an Sprechgesang versucht, ohne dass man etwas zu sagen zu hat, dann muss das scheitern. Jedes zweite Wort scheint „Ninja“ oder „fuck“ zu sein, in Summe ist das Album sagenhaft eindimensional, und nicht selten wirken die Skits zwischen den einzelnen Stücken inspirierter als die Songs selbst. Fatty Boom Boom ist nur hart und sonst nichts, U Make A Ninja Wanna Fuck beweist, dass Verrücktheit kein Erfolgsrezept ist, wenn man sie nicht so gut kanalisieren kann wie das beispielsweise Outkast beherrschen. DJ Hi-Tek Rulez ist ermüdender Mega-Machismo.

Dabei hat Ten$Ion durchaus seine Momente. Der Opener Never Le Nkemise wird nach traditionell afrikanischem Gesang zu einer Electrorap-Kampfansage. I Fink U Freeky ist nervös und ansteckend und entwickelt dank schriller Eurodance-Keyboards (die auch in Baby’s On Fire prominent zum Einsatz kommen, das klingt, als sei Whigfields Saturday Night nach 15 Jahren aus der Psychiatrie ausgebrochen) einiges Hitpotenzial. Hey Sexy könnte eine Partyhymne sein – leider ist der Track fünf Minuten lang, obwohl Die Antwoord schon nach zwei Minuten die Ideen dafür ausgehen.

Dass sich dann ausgerechnet die Gangsta-Persiflage So What? als bester Song dieser Platte entpuppt, spricht Bände. Ten$Ion ist immer ein Spektakel, aber niemals spektakulär.

Wenn die Chipmunks mal ein Video wie The Prodigy machen wollten, dann käme wohl I Fink U Freeky von Die Antwoord dabei heraus:

Die Antwoord bei MySpace.

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