Hingehört: Dire Straits – „Sultans Of Swing – The Very Best Of“ 2


Die Werkschau der Dire Straits zeigt: Manchmal können Englischlehrer auch cool sein.

Künstler Dire Straits
Album Sultans Of Swing – The Very Best Of
Label Mercury
Erscheinungsjahr 1998
Bewertung ****1/2

Die Dire Straits sind eine Band für Englischlehrer. Immer geachtet, immer auch etwas langweilig, immer etwas altmodisch; jedenfalls niemals cool. Weiß der Himmel, woran das liegt. Vielleicht sollten die Beastie Boys mal ein Album mit Dire-Straits-Coverversionen aufnehmen, um den Mannen um Mark Knopfler posthum die Weiher der Hipness zu verleihen.

Verdient hätten sie´s. Denn auch wenn ihr Image nie cool war, ihre Musik ist es um so mehr. Lässigkeit als Prinzip. „Mark Knopflers Musik rockt nicht, sie rollt“, hat der Spiegel einmal über die Dire Straits geschrieben. Und das stimmt. Alles hier ist Understatement. Die Rhythmusgruppe bleibt gehemmt, die Melodien erblühen nie voll, und der Gesang ist eigentlich gar keiner. Knopfler spricht, murmelt, knarzt. Und alles ergänzt sich perfekt, klingt wie aus einem Guss. „I like the Dire Straits as a band because they sound like one person“, hat Bob Dylan einmal über die Engländer gesagt, und natürlich hat er Recht.

Auch in den Texten ist His Bobness nicht weit. Knopfler erzählt kurz oder ausufernd von Begebenheiten mitten aus dem Leben, beweist dabei ein waches Auge und eine spitze Feder. Etwa in Sultans Of Swing, der Geschichte einer alten Dixieband, die durch die Pubs tingelt. Oder im umwerfenden Romeo And Juliet. Selten waren Hoffnung und Skepsis, Verlangen und Zweifel so nahe beieinander. „You and me babe, how about it?“

Über acht Minuten dauert die Fahrt durch den Tunnel Of Love, keine Sekunde langweilig und am Ende tatsächlich beängstigend. Das gilt auch für Private Investigations: mit spanischer Gitarre, ohne Illusionen. „And what have you got / at the end of the day / and what have you got / to take away / a bottle of whisky and a new set of lies / and a pain biting your eyes.“

Fast erschreckend gutgelaunt ist danach Twistin´ By The Pool von der gleichnamigen EP, aufgenommen an nur einem Tag und entsprechend straight. Am stärksten sind die Dire Straits ohnehin, wenn sie sich zurücknehmen. Wie im grandiosen So Far Away. Ein herber Groove, der Text fast gerappt, dazu ganz viel Luft.

Überhaupt erstaunt, wie viele klasse Singles und wie viele Hits die Band hervorgebracht hat, die ja doch eher als Album-Act gilt: Money For Nothing kennt jeder. Vorne wäscht die Gitarre das Hirn, hinten säuselt Sting. Brothers In Arms kennt jeder, die großartige Traurigkeit und das epochale Bleistift-Video. Walk Of Life kennt jeder, die unverschämte Orgel und den catchy Gitarren-Groove. Calling Elvis kennt jeder, den verschluckten Gesang und den Lokomotiven-Beat.

Die letzten beiden Stücke sind Konzertmitschnitte. Auf der Bühne zeigt Mark Knopfler, dass er ein noch besserer Gitarrist ist, als man denkt. Und ein noch schlechterer Sänger. Und auf jeden Fall ein großartiger Songschreiber.
Warum die Dire Straits nicht cool sind, erklärt all dies immer noch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass Qualität nicht immer spektakulär ist.

So Far Away live in Wembley. Der endgültige Beweis, dass auch Muskelshirt und Stirnband einen guten Song nicht zerstören können:

Die Dire Straits bei MySpace.


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