Hingehört: Dog Eat Dog – „All Boro Kings“ 1


Dog Eat Dog machen auf „All Boro Kings“ sogar das Saxophon erträglich.

Künstler Dog Eat Dog
Album All Boro Kings
Label Roadrunner
Erscheinungsjahr 1994
Bewertung ****

Das Saxophon. Man kannte es vor allem aus dem Jazz, aus Softporno-Soundtracks und Grönemeyer-Konzerten. Seit Dog Eat Dog schätzt man es auch an der Halfpipe. Die Blechbläser, und gerade das Saxophon von Scott Mueller, ermöglichten es der Band aus New Jersey, im Meer der Crossover-Acts schnell einen eigenständigen Sound zu entwickeln. So schaffte es die Truppe ins Vorprogramm von Biohazard und No Doubt.

Ihre Liveshows müssen ein Erlebnis gewesen sein, so intensiv und energiegeladen, „dass man sie zum Dopingtest schicken möchte“ (Musikexpress). Logische Folge waren der Vertrag beim Roadrunner-Label, dieses fulminante Debüt-Album All Boro Kings und schließlich der MTV-Europe-Award als „Best Breakthrough Artist“.

In der Tat kommt All Boro Kings (jüngst haben sich einige Ex-Dog-Eat-Dogs unter diesem Namen zu einer neuen Band formiert) ungemein frisch und selbstbewusst daher. Der Musikexpress betrachtet die Platte als den „bisher gelungensten Brückenschlag zwischen wuchtigem Gitarrenrock, hitzigem Funk und dreckigem Punk“ und Dog Eat Dog gar als „begnadete Verwerter, die die Pulverreste des Rock ’n Roll zu einer letzten Explosion bringen“. Frontmann John Connor gibt sich da – erstaunlicherweise – schon bescheidener. „Wir sind nichts weiter als vier talentierte Ohrwurmfabrikanten, die Songs über ihre kleinen Alltagsfreuden und -wehwehchen schreiben.“

„Yeah, yeah, look what I got for you“, beginnt der erste Song, If These Are Good Times, dann aber doch ambitioniert. Und in der Tat gelingen hier gleich einige Nummern, die so eingängig, schmissig und mitreißend sind, dass man meinen könnte, das Konzept „Hardcore meets Rap“ sei gerade erst erfunden worden. In bester Beastie-Boys-Manier wechseln sich gleich drei Sänger ab, Zeilenenden und Slogans werden gemeinsam gesungen, die Party kann beginnen.

Im Refrain von Think wälzt die Gitarre alles nieder, die Strophe ist fast klassischer Knüppelpunk, das Stück eine helle Freude. No Fronts setzt auf die geballte Ladung von mächtigen Drums, dichten Gitarren und tiefen Bläsern. Die Strophe hat kein anderes Anliegen als sich (völlig zu Recht) selbst zu feiern und platzt vor lauter Groove beinahe, der Refrain ist ein solcher Killer, dass die Ruhepause nach zwei Dritteln des Stücks bitter nötig ist.

Das Saxophon-Riff von Who’s The King hat einen schon nach vier Sekunden fest im Griff – und lässt einen so schnell auch nicht wieder los. „Nobody moves, nobody gets hurt?“ Kann bloß ein Scherz sein.

Im schwachen Strip Song ist dann nur die Bläsersektion richtig lüstern, Strophe und Text hingegen dumpf. In The Doghouse kommt auch nicht gerade subtil daher, funktioniert aber viel besser. Wunderbar einfältig wird dann Funnel King. Das Snowboarden, Feiern und Trinken werden gefeiert, der böse Kater verflucht, aber auch ein bisschen geliebt, als Trophäe. Am Schluss steht die nicht mal halbherzige Beteuerung: „Never ever gonna drink that filthy piss no more.“

Auch die Gesellschaftskritik im Rausschmeißer What Comes Around wird nicht peinlich. Denn hier wird kein Zeigefinger gehoben, nicht kleinlich analysiert; hier wird instinktiv attackiert und rebelliert. Und vor allem gefeiert.

Eine Hymne. Und ganz viele bescheuerte Klamotten: Der Clip zu No Fronts:

Dog Eat Dog bei MySpace.


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