Hingehört: Elin – „Girl Talk“


"Girl Talk" von Elin wirft die Frage auf, ob es wirklich eine deutsche Avril Lavigne braucht.

Künstler Elin
Album Girl Talk
Label Edel
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung **1/2

Gestern habe ich sie entdeckt. Im Regal, auf Augenhöhe, hübsch verpackt: Maltonade. Weitere Recherchen ergaben, dass es auch einen „Bio-Drink“ bei Aldi gibt und angeblich sogar eine Sinalconade. „Me-Too-Produkt“ nennt das der Handel. Schließlich ist es selten genug, dass jemand eine Idee hat, die gut ankommt. Und dann will man ihn ja nicht mit dem ganzen Ruhm und Reibach alleine lassen. Und, keine Frage: Wenn man Bionade nachmachen kann, dann kann man auch Lolita nachmachen. Genauer gesagt: Avril Lavigne.

Die Idee hatten natürlich schon einige, doch nun ist man auch in Deutschland darauf gekommen. Das Ergebnis ist Girl Talk von Elin. Songwriter, die sonst für N’Sync, Cher oder die No Angels arbeiten, haben ihr zwölf höchst gefällige Stücke geliefert, die zwischen Pop-Ballade und Radiorock schwanken.

Die Single Better With You ist die Sorte Song, nach der sich Britney Spears inzwischen die Finger lecken dürfte und zeigt vor allem im Refrain Elins beeindruckende Stimmkraft. My Best Friend eifert ganz unverhohlen Elins großem Vorbild Kelly Clarkson nach und ist enorm putzig in seinem beschränkten Teenager-Horizont.

Superficial und Unperfect wandeln von allen Stücken am deutlichsten auf Avrils Spuren, You Think und der famose Titelsong sind so eingängig, dass sie sowieso Hits wären – egal, wer sie singt. Never Had It Before hat den unerschütterlichen Optimismus der S-Club 7 (und stellt die Jungfrauen-Unschuldigkeit so wenig verklausuliert in den Vordergrund, dass man Pädophilen-Attacken befürchten muss).

Auch You Don’t Know Me (das klingt, als würde sich ein 40-jähriger Komponist in die Gefühlswelt eines 14-Jährigen zurückkrampfen) und Radio (man kann sich denken, wie das klingt), lassen die sonst hier gezeigte Geschmackssicherheit vermissen. Mit Fly On Your Wall, Colors und Moving Forward gibt es auch einen vergleichsweise erwachsenen Dreierpack.

Gerade diese Stücke, die deutlich machen, dass hier einfach ein paar Fließbandschreiber einen neuen Abnehmer für ihre Auftragsarbeit gefunden haben, sind allerdings auch nicht wenig erschreckend. Denn sie machen klar, wie sehr dieses bei den Aufnahmen zur Platte gerade 13-jährige Mädchen, das aus einem Dorf bei Bremen kommt, gerne Fußball spielt und im Interview im besten Bravo-Plauderton über Boys und Girls und Cliquen stöhnt, von einer genau kalkulierenden Maschinerie vereinnahmt wird, die all ihre Begeisterung, all ihre Träume und ihr unbestreitbares Talent nur kurz ausschlachten wollen, solange die Masche sich noch gut verkauft.

Was Elin noch nicht wissen kann: Am Ende ist es wie bei der Bionade: Die Kopie mag günstiger sein, vielleicht sogar genauso lecker. Doch sie ist nicht halb so cool. Und hat nichts geleistet.

Statt des sagenhaft billigen Clips zur Single Better With You gibt es hier eine Avril-Lavigne-Parodie, die das wenigstens zugibt:

Elin bei MySpace.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.