Hingehört: Field Music – „Plumb“ 1


Field Music suchen auf "Plumb" nachen einem aufrechten Weg durch die Krise.

Field Music suchen auf „Plumb“ nachen einem aufrechten Weg durch die Krise.

Künstler Field Music
Album Plumb
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Ist das jetzt die Krise? Das Gebäude, in dem Field Music zehn Jahre lang ihr Studio und ihren Proberaum hatten (übrigens ebenso wie die Futureheads), wurde kürzlich geschlossen. Es gehört der Stadt Sunderland, und die möchte es künftig anders nutzen. Sparmaßnahmen, wahrscheinlich.

Passend dazu zeigt das Cover von Plumb, dem vierten Album von Field Music, so etwas wie einen futuristischen Wohnblock – womöglich das Heim der Träume für die Brüder Peter und David Brewis, aus denen Field Music besteht. Ebenfalls passend dazu behandelt Plumb in seinen Texten so etwas wie Ohnmacht gepaart mit dem nicht ganz zu unterdrückenden Gefühl, zum Aufrechtsein, zum Fortschritt, zum Gemeinwohl verpflichtet zu sein – eine durchaus passende Thematik in Zeiten von Wirtschafts-, Währungs- und Systemkrisen.

Für Field Music hatte der Zwangsumzug allerdings auch ein paar positive Effekte. Sie bauten sich ein neues Studio auf, schauten ein paar Überbleibsel aus vergangenen Sessions noch einmal durch und probierten neue Sounds und Technologien aus. Das Ergebnis ist Plumb.

Im Gegensatz zum Vorgänger Measure, der erstmals in der Karriere des 2004 gegründeten Duos tatsächlich so etwas wie konkrete, zusammenhängende Songs bot, geht es auf Plumb wieder deutlich abstrakter zu. Das vierte Werk von Field Music ähnelt der Anfangsphase der Band. Auch sonst ist der Blick gerne rückwärts gewandt: Die Klänge orientieren sich an „Filmmusik des 20. Jahrhunderts – von Bernstein bis Willy Wonka“, heißt es im Presse-Info. Und der erste Eindruck von Plumb ist: Hier sind die Uhren irgendwann sehr früh in den 1970er Jahren stehen geblieben.

ELO, Pink Floyd und auch die Beatles der Abbey-Road-Phase sind wichtige Bezugspunkte. Der Opener Start The Day Right führt das alles zusammen und packt noch eine gute Ladung Prog Rock dazu. Das sehr gute Sorry Again, Mate schafft es, episch zu sein und doch eine Skizze zu bleiben (so etwas haben sonst nur die Beach Boys hinbekommen).

Es geht gerne komplex und gebrochen zu wie im akustischen Who’ll Pay The Bills? Manchmal werden Field Music auch dezent funky (A New Town) oder versuchen sich in How Many More Times? ganz ohne Instrumente. Is This The Picture? klingt hingegen hysterisch und hell, wie Jack White, wenn er plötzlich den Blues vergessen hat. Fast wuchtig und gewagt minimalistisch kommt Just Like Everyone Else daher. Der Rausschmeißer (I Keep Thinking About) A New Thing führt alle Elemente des Albums meisterhaft zusammen – und dürfte Elvis Costello die eine oder andere Träne ins Knopfloch zaubern.

Das ist zwar nur als Album wirklich gut hörbar, aber durchweg hübsch, sehr gekonnt und vor allem in überaus charmanter Weise ungemein schlau. Plumb lässt keinen Zweifel daran: Von einer Krise kann bei Field Music keine Rede sein.

Massenkommunikation: Field Music spielen (I Keep Thinking About) A New Thing live in London:

Field Music bei MySpace.


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