Hingehört: Janosch Moldau – „Lovestar“


Hört man "Lovestar", muss man vermuten: Der Berg im Hintergrund besteht aus Selbstmitleid.

Hört man „Lovestar“, muss man vermuten: Der Berg im Hintergrund besteht aus Selbstmitleid.

Künstler Janosch Moldau
Album Lovestar
Label Janosch Moldau Records
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung *

Oh Mann. Ulm hat es nicht leicht mit seinen Promis. Auf jeden Albert Einstein kommt ein Werner Mang, auf jede Hildegard Knef ein Ulli Hoeneß. Und jetzt will auch noch Janosch Moldau durchstarten. Für sein drittes Album Lovestar hat er sich mit Motor einen vergleichsweise potenten Vertriebspartner gesucht. Das Video zum Titelsong war bereits auf Viva zu sehen. „Meine Musik findet lediglich in einem kleinen Paralleluniversum statt”, sagt Janosch Moldau, und womöglich meint er das im neunten Jahr seiner Karriere bedauernd.

Apropos Bedauern: Lovestar ist ein, pardon, unerträglicher Haufen voll von überflüssigem, langweiligem, weinerlichem Mist. In seinen Texten schüttet Janosch Moldau kübelweise Selbstmitleid aus und die Musik dazu klingt, als habe er noch immer nicht verkraftet, dass das Jahr 1982 (und sogar das dazugehörige Revival) nun schon eine ganze Weile vorbei ist.

Mit dem Titelsong geht es gleich schrecklich fluffig los und vor allem sagenhaft affektiert und prätentiös. Und wenn ich „sagenhaft affektiert und prätentiös“ sage, dann meine ich nicht bloß OMD-Ausmaße oder ein bisschen Hurts-Schwurbel, sondern Michael-Cretu-Niveau. So geht es weiter: My Love klingt wie ein (zum Ende hin defekter) Nino de Angelo. Enough ist einfach eine große Leere, die auch dadurch nicht zu einem intensiven Popsong wird, dass das Wort „Jesus“ im Text vorkommt: Der Track klingt, falls man sich das vorstellen mag, wie Jennifer Rush, aus der jemand die Luft rausgelassen hat.

Auf Dauer ist Lovestar ekelhaft einlullend. Die Stimme von Janosch Moldau, irgendwo zwischen Dave Gahan vor dem Stimmbruch und einem sedierten Antony, ist nicht halb so gut wie er selber denkt. Seine Texte sind nicht halb so schlau wie sie gerne wären. „I do have sex but no gender / We’ll find a martyr to surrender / We’ll find a place where we can die / We’ll find a shelter to stay dry“ (aus My Love) ist ein gutes Beispiel dafür, dass es hier viele große Worte gibt, aber wenig Sinn, Intelligenz oder gar Poesie.

„Es handelt sich nicht um ein Konzept-Album, sondern generell um die Stimmung in die ich verfalle, wenn ich Songs schreibe“, umschreibt Janosch Moldau die Thematik von Lovestar. „Es ist eine Art dunkles Ritual und ich kann mich nur auf diese seltsam traurige Weise der Musik nähern. Es ist das klaustrophobische Korsett, die eigene persönliche Begrenzung, die ich als Solo-Musiker und Mensch trage.” Aus dieser Begrenzung heraus beglückt er uns nun mit drei Instrumentals und Liedern wie Into This Life, Second Best oder Empty, die nichtssagender Elektropop-Durchschnitt sind, wie man sie im Hausmüll der Pet Shop Boys wahrscheinlich in Hunderterpacks findet.

The Final Show klingt, als hätte man Erasure einer Lobotomie unterzogen, The Lovers’ Song ist schaurig schwülstig, Open Wounds wirkt, als hätte jemand Hercules & Love Affair über Nacht jegliche Stilsicherheit ausgetrieben. „Es geht nicht nur um Liebe oder um Persönliches, sondern darum, was auf diesem Planeten im Namen der Liebe alles angerichtet wird”, sagt Janosch Moldau über sein Album. Mit Lovestar hat er soeben selbst ein veritables Verbrechen hinzugefügt.

Pseudobedeutend und langweilig: Das gilt auch für das Video von Lovestar:

Homepage von Janosch Moldau.

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