Larry And His Flask – „By The Lamplight“


Künstler Larry And His Flask

Herzblut ist der Treibstoff für "By The Lamplight".

Herzblut ist der Treibstoff für „By The Lamplight“.

Album By The Lamplight
Label Xtra Mile
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Schmissig. Mit diesem wunderbaren Wort könnte man By The Lamplight, das fünfte Album von Larry And His Flask, bereits auf den Punkt bringen. Und noch ein anderes Attribut ist hier zentral: schlechte Laune. Richtig schlechte Laune.

“How long it’s all gonna last / the centuries have passed / they’re full of pain / what have we gained?”, fragt Sänger Ian Cook im Opener Pandemonium, und diese Frage ist eher ein Vorwurf. Am Ende dieser 200 Sekunden, die als Barbershop-Acappella-Nummer beginnen und sich dann zu einem Polkakarneval entwickeln, ist klar: Er hat genug von Scheiße. Er fordert das Echte ein.

Cook singt all das mit der Stimme eines Mannes, der schon viel gesehen und viel mitgenommen hat im Leben, und das macht die Lieder von Larry And His Flask so roh und glaubwürdig – und selbst eine ultimativ negative Zeile wie „I’m broken, I’m starving, I’m lovesick, I’m frail“ (aus Some Cruel Twist Of Fate, einem herrlich altmodischen Texmex-Trauermarsch) vollkommen überzeugend. In jedem Moment von By The Lamplight ist klar: Diese Musik bedeutet diesen Jungs alles.

Die anklagende Attitüde und die in der Regel als Countrypunkdauerfeuer gespielte Musik sind dabei weit davon entfernt, zu langweilen. Schmissig ist, wie gesagt, die Überschrift für fast alle Lieder, und das birgt die Gefahr der Abnutzung. Das Sextett aus Oregon, gegründet 2003 von Brüdern Jamin und Jesse Marschall, schafft es auf dieser Platte aber sehr gekonnt, das nötige Maß an Abwechslung nicht zwischen einzelnen Songs, sondern innerhalb einzelner Songs zu bieten.

In Out Of Print kann man ein wenig vom Aufruhr der Libertines erkennen. The Barleywine Bump beginnt kaputt im Stile von Tom Waits, überrascht dann aber mit einem fast sonnigen Refrain. The Battle For Clear Sight profitiert sehr von Jenny Owen Youngs, die als Gastsängerin auftritt.

Log, Heart And Ash nimmt erstmals etwas den Fuß vom Gas, das folgende Gone From You bleibt sogar komplett akustisch und gerät ähnlich intensiv wie die Lieder von Frank Turner, mit dem Larry And His Flask unlängst auf Tournee waren. Home Of The Slave beginnt mit einem furiosen Duell zwischen Banjo und Gitarre und wird dann eine fast klassische Rockabilly-Nummer, die auch zu Little Richard oder Carl Perkins gepasst hätte. „What you gonna do when the circus comes to town?“, will Sänger Ian Cook immer wieder erfahren. Die Antwort kann da eigentlich nur lauten: Ich werde tanzen wie ein Irrer.

In Justice And Justification steckt ein Herz, das nicht nur gebrochen ist (wenn auch nicht von der Liebe, sondern von der Welt und dem Kleinmut der Menschen), sondern zerfetzt. Das wilde Muffled Thrums wird alle Fans der Dropkick Murphys entzücken und bietet mittendrin tatsächlich etwas, das wie ein Mandolinen-Solo klingt. Der Rausschmeißer Tides zeigt mit etwas Balkan-Feeling, viel Tempo, Feuer und dem einen oder anderen Drink intus, dass auch Gogol Bordello ein passender Bezugspunkt für diese Band sind.

Das beste Lied ist All That We’ve Seen, das nur mit akustischer Gitarre und Gesang beginnt und dann durch Bläser und Streicher noch mehr Herzblut bekommt. Der Track macht, wie alle anderen auf By The Lamplight deutlich: Es gibt eine Menge Gründe, um Larry And His Flask zu lieben. Aber man wird die Musik dieser Jungs wohl nie so sehr lieben können wie sie selbst es tun.

Larry And His Flask stellen Pandemonium vor:

Homepage von Larry And His Flask.

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