Livingston – „Fire To Fire“ 1


Künstler Livingston

Direkt ins Stadion wollen Livingston mit "Fire To Fire".

Direkt ins Stadion wollen Livingston mit „Fire To Fire“.

Album Fire To Fire
Label Universal
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung

Zwölf Lieder sind auf Fire To Fire, dem zweiten Album von Livingston. Alle zwölf klingen, als könnten sie eine Single sein. Mehr noch: Alle zwölf klingen wie ein einziger Appell: „Liebe uns! Häng uns als Poster an deine Wand!“

Das ist die Stärke, aber auch die Schwäche des Quintetts aus London, von dem vier Fünftel mittlerweile in Berlin leben. Fire To Fire klingt in vielen Momenten herrlich atemlos, gerne hymnisch und im Zweifel optimistisch, von Anfang an nach Hollywood, als wollten Livingston nach dem erfolgreichen Debüt Sign Language (2009) nun ohne Umwege in die Stadion-Liga. Sänger Beukes Willemse hat die Art von Stimme, die seit Jahrzehnten kleine Mädchen in Ekstase versetzt und A&R-Manager auf der ganzen Welt glücklich macht. Und ihre Songs sind auf diesem Album, das vom dreifachen Grammy-Gewinner David Bottrill (Tool, Placebo, Muse) produziert wurde, im höchsten Maße gelungener und professioneller Poprock, um Welten besser als das, was beispielsweise Sunrise Avenue oder Maroon5 in diesem Genre veranstalten.

Die Band ist stolz darauf. „Ich denke, dass wir reifer geworden sind“, sagt Gitarrist Jakob Nebel. „Man hört dem Debüt schon an, dass dies unser Anfang war, eine Art Tagebuch der Jahre, die wir von der Gründung bis zum Debüt miteinander erlebt haben. Da ist vieles zusammen gemischt worden, wohingegen Fire To Fire eine Platte wie aus einem Guss ist, weil wir sie ja auch so geschrieben haben. Natürlich spürt man auch, dass da jetzt noch ein paar Jahre mehr Erfahrung in der Band stecken, zumal wir in dieser Zeit ja auch extrem viele prägende Erfahrungen gemacht haben.“

Am deutlichsten ist dabei nach wie vor die Verwandtschaft zu den Killers. Das meint nicht nur den Sound, sondern auch deren Hang zu obskuren, aber bedeutungsvoll klingenden Texten (ja, ich meine die Sache mit human und dancer). Bei Livingston heißen die Entsprechungen „we’re all slaves to gravity“ (im saftigen Opener Perfect Dream), „before we go supernova / I don’t mind if you make me cry“ (in der Vorab-Single Supernova) oder eben “set fire to fire” im Quasi-Titelsong.

Manchmal klingen auch Jimmy Eat World an (wie im leicht gebremsten No More Promises). Das hoch theatralische Beautiful klingt, als würden Muse den Existenzialismus simulieren, Drop The Halo hat eine Placebo-Gedächtnis-Strophe und Sink Or Swim ist eine 1A-Green-Day-Ballade, in deren Text man unmöglich noch mehr abgenutzte Metaphern unterbringen könnte.

Das führt zum Problem von Livingston: So etwas wie Individualität lässt sich hier kaum erkennen. Fire To Fire, das im Frühjahr 2011 im Fisher Lane Studio von Genesis-Gitarrist Mike Rutherford aufgenommen wurde, hat als Album keine gelungene Dramaturgie. Es gibt vor allem in der zweiten Hälfte der Platte einige Momente, in denen die Belanglosigkeit regiert. Dass Fire To Fire in Summe ein gutes Stück zu lang wirkt, liegt auch daran, dass keine der Balladen richtig zündet. Immerhin: Vieles klingt, als wollten Livingston es live gerne ein bisschen weg aus der Radio- und hinein in die Rock-Ecke holen.

Dazu passt auch die Definition von Drummer Paolo Serafini, der Livingston sieht „als eine Band, die ohne jeden Firlefanz auskommt, die die Ärmel hochkrempelt, auf der Bühne hart arbeitet und sich für nichts zu schade ist“. Das hat bisher durchaus gut funktioniert. Gerade live hat sich die Band ihr Publikum erspielt. Die Bandbreite der Acts, mit denen Livingston schon auf Tour waren (unter anderem The Duke Spirit, Revolverheld, Ich+Ich, Apocalyptica, Thomas Godoj, Unheilig oder Blind) macht aber auch stutzig: Wie soll das alles zusammenpassen? Wahrscheinlich ist das das Problem von Livingston, und der Grund, warum Fire To Fire trotz vieler guter Ansätze bloß ein solides Album ist: Sie wollen es wirklich allen recht machen.

Der Albumtrailer zu Fire To Fire:

Livingston bei MySpace.


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