Marius Ziska – „Recreation“


Künstler Marius Ziska

Marius Zilka zeigt sich auf "Recreation" fantasievoll und verträumt.

Marius Zilka zeigt sich auf „Recreation“ fantasievoll und verträumt.

Album Recreation
Label Stargazer Records
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Ein Elefant. So klingt das, was man als letzten Ton von Into The Silence hört, dem zweiten Song auf Recreation. Das Lied erzählt, zu klassischem Folkpop irgendwo zwischen der Entspanntheit von Tom Petty und der Coolness der Lemonheads, die Geschichte eines Zusammenbruchs, eines vielleicht sogar reizvollen Wegs hinein in den Wahnsinn. Am Ende des Songs bäumt sich ein ganzes Orchester gegen die eigene Untätigkeit auf, bis schließlich besagter letzter Ton erklingt, der Elefant.

Es ist einigermaßen unwahrscheinlich, dass Marius Ziska und seine Mitstreiter tatsächlich einen leibhaftigen Elefanten ins Studio gezerrt haben, zumal Elefanten auf den Färöer Inseln (der Heimat von Marius Ziska, wo dieses Album unter der Regie von Jens L. Thomsen auch aufgenommen und abgemischt wurde) ziemlich schwer aufzutreiben sein dürften. Es zeigt aber die wunderbare Stärke von Recreation: Marius Ziska hat ein sagenhaftes Gespür dafür, welche Sounds gerade am besten zu seinen Songs passen – und das kann dann eben auch mal eine Trompete sein, die wie ein Elefant klingt.

The Middle Way illustriert das ebenfalls blendend: Ein Cembalo, eine Sitar und Eighties-Sythesizer werden hier mühelos miteinander verschränkt. One In The Masses wird von einer Tuba angetrieben, durch beschwingtes Pfeifen beflügelt, setzt auf ein ruhiges Break, in dem die leicht brüchige Stimme von Marius Ziska glänzen kann, um dann in einem großen Finale mit Western-Saloon-Piano zu münden.

So viel Stilsicherheit, Detailreichtum und Experimentierfreude sind ungewöhnlich auf einem Debütalbum – erst recht, wenn man bedenkt, dass Marius Ziska bisher eher auf elektronische Klänge gesetzt hatte. Recreation zeigt nun, wie vielfältig die Einflüsse sind, die ihn in seinem Heimatdorf Søldarfjørður erreicht haben, und wie wunderbar er es versteht, daraus fantasievollen, immer ein wenig verträumten Singer-Songwriter-Pop zu machen.

Restless Mind hat die Zartheit von Band Of Horses oder Crosby, Stills, Nash & Young. Der Opener Nice Day klingt zunächst wie eine Mogelpackung; „Your engine starts“, heißt die erste Zeile des Albums, aber was man dazu hört, hat nichts mit Muscle Car oder Formel 1 zu tun, sondern klingt allenfalls, als würde jemand seinen Tretroller oder sein Segelflugzeug anschmeißen. Doch nach einer halben Minute legt das Lied seine Schüchternheit ab und entwickelt einen reizvollen Mix aus Eleganz und Schmackes – so, als würde Morten Harket ein Lied von Kristofer Åström singen.

Walk The Road wird herrlich ausgelassen, While You Were Dreaming deutet ein Country-Feeling à la Cracker an, das hymnisch-herzerweichende Sound Of You am Ende des Albums zeigt, wie man auch eine Computer das große nordische Sehnsuchtsgefühl erzeugen kann, aus dem Röyksopp ihre Karriere gebastelt haben.

Love gewinnt zwar nicht den Titel für den außergewöhnlichsten Songtitel des Jahres, wird aber ein straighter Popsong mit viel Drive und der tollen Stimme von Jana Hjalgrímsdóttir. Es ist dieses Lied, das am ehesten erkennen lässt, wie Marius Zilka einst zum Songwriting gekommen ist. Als Junge saß er oft mit im Auto, wenn sein Vater zur Arbeit fuhr. Wann immer die Beiden durch einen der zahlreichen Tunnel der Färöer Inseln fuhren, setzte der Radioempfang aus. Marius‘ Vater hatte damals die Empfehlung: „Nun, da das Radio nicht mehr funktioniert, musst du deine eigenen Songs machen.“ War ein guter Tipp.

Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Video zu One In The Masses:

Marius Zilka bei Facebook.

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