Hingehört: Martha Wainwright – „Come Home To Mama“


Souverän, verführerisch und reflektiert: So klingt Martha Wainwright auf "Come Home To Mama".

Souverän, verführerisch und reflektiert: So klingt Martha Wainwright auf „Come Home To Mama“.

Künstler Martha Wainwright
Album Come Home To Mama
Label V2
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Nacktheit auf dem Albumcover scheint definitiv ein Trend des Jahres 2012 zu sein. Den Anfang machte Natasha Khan alias Bat For Lashes, unlängst folgten Mando Diao und Christina Aguilera. Nun also Martha Wainwright. Ebenso mutig wie schutzbedürftig kauert sie auf dem Cover von Come Home To Mama, ihrem dritten Album. Sie fühlt sich offensichtlich nicht unwohl dabei, aber es ist auch nicht die Pose einer Verführerin.

Trotzdem ist das Motiv sehr passend für Come Home To Mama, das größtenteils im Studio von Sean Lennon in New York aufgenommen wurde. Denn wenn man umschreiben müsste, was die Platte von Martha Wainwrights ersten beiden Alben unterscheidet, dann kann man guten Gewissens antworten: Come Home To Mama ist sexy – und fühlt sich gut dabei.

Angst mag das bestimmende Gefühl ihres selbstbetitelten Debüts (2005) gewesen sein. Der Nachfolger I Know You’re Married But I’ve Got Feelings Too (2008) wurde in erster Linie von seiner Leichtigkeit bestimmt. Diesmal hat der Sound eine sehr souveräne Körperlichkeit, Martha Wainwright zeigt sich mal reflektierend, mal wütend, mal ausgelassen. “This album is a culmination of my life experiences so far”, erklärt die 36-Jährige.

Produziert hat diesmal nicht mehr ihr Ehemann Brad Albetta, sondern Yuka Honda von Cibo Matto. “Yuka’s approach was very open. Sometimes I would just demo the song, singing in the closet which served as the vocal booth, then she would build the track around that. In other instances we would jam with a few musicians and try to get a live take”, umschreibt Wainwright den Entstehungsprozess.

Diese Arbeitsweise hört man Come Home To Mama an. Mit I Am Sorry beginnt die Platte geschlossen, organisch und doch spannungsgeladen – und diese Atmosphäre verbreiten auch die anderen neun Songs. Viele Lieder scheinen ein Geheimnis in sich zu tragen wie Leave Behind oder Four Black Sheep, das mit seinen dezenten Synthies an Kate Bush denken lässt. All Your Clothes ist kurz vor Schluss verdammt verführerisch, wenn man bedenkt, dass es um ein zumindest halbwütendes Wiedersehen mit dem Ex geht, um Verbitterung und einen kleinen Rest von Sehnsucht.

In Radio Star klingt Martha Wainwright so bestimmt wie jemand, der keinerlei Zeit zu verschenken hat, aber auch so unstet und hektisch. Das verschleppte Some People schafft es, zugleich zärtlich und ein großes Drama zu sein. Das beschwingte I Wanna Make An Arrest könnte man sich gut von Sheryl Crow vorstellen, oder von einer ambitionierten Version von Texas.

Mit der Single Proserpina, die auch die Titelzeile des Albums enthält, vertont Martha Wainwright ein Lied aus der Feder ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter Kate McGarrigle. Klavier, Streicher und ein himmlischer Chor verleihen dem Lied viel Intimität. Zu den Höhepunkten zählen auch der famos elegante Rausschmeißer Everything Wrong und das heitere Can You Believe It mit Holzbläsern, Verspieltheit, einem tollen Refrain und dem Bekenntnis: „I really like wake-up sex.“

Wer so selbstbewusst mit Trauer und Lust, Kummer und Hoffnung umgehen kann, der hat selbstverständlich keine Scheu vor einem Nacktfoto auf der Plattenhülle. Zudem Martha Wainwright darin noch eine zusätzliche Symbolik sieht: „Everything changed for me a couple of years ago and this record is a representation of that and a return to the reason I started writing songs. I’ve made this record as a motherless child and as a mother. Two things I had never been before. For me, it is a new beginning.”

Todtraurig und erleuchtet: Martha Wainwright im Video zu Proserpina:

Homepage von Martha Wainwright.

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