Hingehört: Phoenix – „It’s Never Been Like That“ 2


Spätestens mit "It's Never Been Like That" setzen Phoenix auch Frankreich auf die Pop-Landkarte.

Künstler Phoenix
Album It’s Never Been Like That
Label Virgin
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung ***1/2

Wie Franzosen klingen sie wirklich nicht. Eher so, als kämen sie aus Birmingham, Melbourne oder sogar, ähem, Phoenix, Arizona. International also. Universal.

Das ist auch auf dem dritten Studioalbum von Phoenix noch immer eine kleine Überraschung. Denn schließlich kommen die vier Jungs tatsächlich aus Versailles. Das klingt nicht nur so, als würden sie sich morgens nach dem Aufstehen in ihre barocken Kostüme schmeißen. Es bringt auch das Stigma mit sich, dass Franzosen bisher international mit ihrer Musik kaum Aufsehen erregen konnten, jedenfalls nicht mit Gitarrenklängen.

Um auch die letzten Pop-Provinz-Vorurteile auszuräumen, haben sie ihr neues Werk It’s Never Been Like That in Berlin aufgenommen. Und haben dabei vieles ganz anders gemacht. „Es ging uns darum, wieder ganz von vorne anzufangen“, schildert Sänger Thomas Mars die Herangehensweise. Das hört man zwar oft aus dem Mund von Bands, aber im Fall von It’s Never Been Like That hört man es auch auf der Platte.

Die spielerische Leichtigkeit und den bedingungslosen Optimismus wird man diesmal nicht finden. Auch das Luxuriöse, Elegante, Ausgeklügelte, für das man die Franzosen bisher kannte, haben die vier einstigen Schulfreunde ganz bewusst draußen gelassen. Stattdessen entstand alles spontan im Studio. Phoenix ohne Masche.

Resultat ist das bisher geschlossenste Werk der Band – und ein Album, das trotz der Lust an der Innovation erstaunlich sehr nach Phoenix klingt. Das schmissige Consolation Prizes geht sofort in die Beine, Rally setzt sich ebenso unmittelbar im Ohr fest. Die Hitsingle Long Distance Call hat sich dort schon längst eingenistet.

Der Höhepunkt ist Napoleon Says gleich zum Auftakt. Eine flirrende Gitarre und ein trockener Strokes-Beat münden in einen tollen Refrain. Mit solchen Liedern könnten Phoenix am Ende noch das schaffen, was selbst dem Empereur stets versagt blieb: England zu erobern.

Fast wie Jarvis Cocker, aber mit Tricolore: Phoenix spielen das wunderhübsche Consolation Prizes live in Conan O’Briens Late Show:

Phoenix bei MySpace.


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