Hingehört: Richard Ashcroft – „Human Conditions“ 2


„Human Conditions“ ist angenehm und entspannt.

Künstler Richard Ashcroft
Album Human Conditions
Label WEA
Erscheinungsjahr 2002
Bewertung ****

Was ist übrig vom Britpop? Blur gingen in die Staaten, Oasis in die Stadien. Supergrass machen neuerdings auf düster, Radiohead schon längst auf Künstler.

Richard Ashcroft hat einen anderen Ausweg gesucht: einfach einen Schritt zurück, lieber eine Nummer kleiner. Mit The Verve machte er es zuletzt nicht mehr unter urbanen Hymnen und bittersüßen Symphonien. Nun hat sich die Angriffslust gelegt, die ganz große Geste wird nicht mehr geprobt. Vielleicht weiß Ashcroft, dass sie inzwischen lächerlich wirken würde. Vielleicht hat er auch eingesehen, dass er niemandem mehr etwas beweisen muss.

Human Conditions, sein zweites Solowerk, ist deshalb eine entspannte, unaufdringliche Platte. Hysterie und Aggressivität sind verflogen. Mit dem ganz ähnlichen Vorgänger Alone With Everybody scheint Richard Ashcroft seinen Stil gefunden zu haben: einfache, gelegentlich programmierte Beats, ein großes Orchester, ein wenig Psychedelik.

Das alles kann man wunderbar bereits am Vormittag hören. Die meisten Stücke verstecken sich, wollen übersehen werden oder zumindest gesucht. Die Mühe lohnt sich durchaus – im besten Fall kommen einem die Songs aber noch immer entgegen, mit offenen Armen. Buy It In Bottles ist so ein Moment, schwelgerisch und selbstvergessen. Auch Paradise besticht schon nach wenigen Sekunden, Trompete und Gesang verhalten, Gitarre und Schlagzeug bloß skizziert. Science Of Silence, wie das nächste Highlight heißt, ist das noch nicht ganz. Aber es ist nah dran. Richard Ashcroft sucht immer noch nach dem perfekten Song, aber er verkrampft dabei nicht mehr. Man On A Mission heißt treffenderweise das beste Lied der Platte. Auch hier fließt alles ineinander, ergibt sich wie von selbst.

Sogar seinen Gesang hat Ashcroft beschränkt. Er zerdehnt die Vokale nicht mehr so, spielt seine Trümpfe nicht voll aus. Um so beeindruckender wird seine Stimme, wenn er ihre Kraft doch einmal kurz hervorbrechen lässt wie im Intro von Lord I’ve Been Trying. Das Stück ist mehrmals kurz davor, in Epik und Overkill abzugleiten, doch kurz vorher wird es immer wieder auf den Boden zurückgeholt. Dort scheint sich Richard Ashcroft inzwischen wohl zu fühlen und es sich in der neuen Bescheidenheit gemütlich gemacht zu haben.

Ziemlich episch: Science Of Silence live beim Rockpalast:

Richard Ashcroft bei MySpace.


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