Royal Bangs – „Flux Outside“


Künstler Royal Bangs

Energie und Ehrgeiz sind bei Royal Bangs auch auf "Flux Outside" die wichtigsten Zutaten.

Energie und Ehrgeiz sind bei Royal Bangs auch auf „Flux Outside“ die wichtigsten Zutaten.

Album Flux Outside
Label Glassnote
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Schwierige Zeiten sind das. Vor allem, wenn man alles will, das ganze Paket, eine runde Sache, das Nonplusultra. So etwas gibt es einfach nicht mehr in dieser Ära der Zersplitterung. Wir haben vielleicht einen Bundestrainer, der erfolgreich ist – aber stinklangweilig. Wir haben vielleicht einen US-Präsidenten, der guten Willens ist – aber erfolglos. Und wir haben vielleicht sogar eine neue Oasis-Platte, die ganz brauchbar ist – aber ohne Liam.

Wir müssen uns also mit Einzelteilen zufrieden geben. Und das ist vollkommen beglückend. Zumindest, wenn diese Einzelteile von Royal Bangs stammen. Denn Flux Outside, ihr drittes Album, hat einen ganz erstaunlichen Effekt: Es gibt in diesen Songs ganz viele tolle Teile, die ziemlich schnell von anderen tollen Teilen abgelöst werden. Sie werden so schnell abgelöst, dass man sich wünscht, sie hätten doch noch ein bisschen länger gespielt werden können. Aber sie werden von so guten Teilen abgelöst, dass man ihnen nie wirklich hinterhertrauern muss.

Nehmen wir zum Beispiel die einzelnen Elemente von Fireball: ein rückwärts laufendes Schlagzeug, ein Orgel-Riff mit Status-Quo-Boogie und Space-Keyboards im Hintergrund, dann etwas Indisches, dann augenzwinkernder Glamrock wie ihn The 1990s spielen, dann Prog, dann heavy wie Kasabian in den Momenten, in denen sie kurz nicht auf den richtigen Sitz ihrer Frisur achten, und dann im Outro ein Chaos wie es Damon Albarn wahrscheinlich in seinen Träumen hört. Wow.

Das ist nicht nur meisterhaft, es zeugt auch von der Leidenschaft, die Flux Outside durchweg auszeichnet. Frontmann Ryan Schaefer, Drummer Chris Rusk und Gitarrist Sam Stratton, die sich schon seit High-School-Tagen kennen, wollen definitiv zeigen, was sie alles drauf haben. Das ist aber kein Selbstzweck: Sie glauben wirklich daran, dass man dem alten Konzept „Rock“ noch ein paar neue, spannende Facetten abgewinnen kann. Sie sind besessen davon. Bei den Aufnahmen zu ihrem letzten Album Let It Beep schliefen sie sogar im Studio, um keine Zeit zu vergeuden. Diesmal nahmen sie in einem alten Haus auf – und verbrachten die erste Woche erst einmal damit, ganz genau die Klangmöglichkeiten jedes einzelnen Zimmers zu erkunden.

Fireball ist nicht nur ein gutes Beispiel für die Kompositionsarbeit bei Royal Bangs. Der Song war auch so etwas wie eine Initialzündung für Flux Outside, nachdem die Band einige Mitglieder verloren hatte, die keine Lust mehr auf Tourneen hatten und deshalb ausstiegen. “We had no idea how we would play these songs with three people,” erinnert sich Schaefer. “It was depressing, trying to recreate things we’d already done.” Als sie es dann raus hatten, war es der Startschuss für ein neues Kapitel, wie auch Schaefer meint: “This record is not just another in a progression of little steps forward. It’s something different.”

Bad News, Strange Luck ist ein weiteres komplexes Monster. Legt man es auf den Seziertisch, entdeckt man ungefähr in dieser Reihenfolge: ein träges Klavierintro mit kaputten Gitarren wie bei Bright Eyes, dann nach zweieinhalb Minuten plötzlich feinsten Powerpop, wie ihn The Blood Arm nicht ausgelassener spielen könnten, dann eine kurze Pinball Wizzard-Huldigung, dann eine exaltierte Hymne von unfassbarer Größe, wie man sie von Queen (oder als Indie-Entsprechung: Piebald) erwarten würde. Schon wieder: Wow.

Die Geheimwaffe von Royal Bangs ist dabei die Stimme von Ryan Schaefer. Sie mag technisch betrachtet nicht allzu besonders sein. Aber sie ist extrem wandelbar und wird so das Bindeglied – sowohl innerhalb dieser zerklüfteten Songs als auch für Flux Outside als Ganzes. Schaefer kann putzig klingen und verschwörerisch, zupackend und zart.

Er singt wie Ben Folds im Ausnahmezustand (Back Then It Was Different), er macht den Schreihals (Bull Elk) oder klingt weise und aufgebracht wie Bruce Springsteen (Silver Steps). Und im Opener Grass Helmet, in dem ein Schlagzeug in Höchstgeschwindigkeit und die Gitarre im Windmühlenmodus sofort die Weichen für das dann folgende Abenteuer stellen, hat er auch hörbar Spaß an ein bisschen Theatralik, wie sich das für einen Frontmann gehört.

Manchmal lässt sich auf Flux Outside die Energie der Hives erkennen (Triccs), Loosely Truthing klingt mit seinen synkopierten Keyboards wie die Wombats, wenn sie in einer Waschmaschine im Schleudergang spielen würden. Faint Obelisk Two hat eine gute Dosis Seventies-Atmosphäre abbekommen (übrigens: der Proberaum von Royal Bangs ist angeblich in einer ehemaligen Methadon-Klinik). Wenn in TV Tree dann eine Kuhglocke den Takt angibt, dann kommt sogar so etwas Ähnliches wie ein Hit dabei heraus. Wobei man sich angesichts der vielen Teile auch hier sofort korrigieren muss. Was Royal Bangs machen, ist etwas anderes: Hits für Fortgeschrittene.

Bei so viel Energie hat sich David Letterman vielleicht kurz Sorgen um sein Studio gemacht: Royal Bangs spielen Fireball, zum ersten Mal im TV:

Royal Bangs bei MySpace.

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