Hingehört: Shout Out Louds – „Our Ill Wills“ 4


Die Shout Out Louds schenken uns auf "Our Ill Wills" ein Lächeln.

Künstler Shout Out Louds
Album Our Ill Wills
Label Haldern Pop
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***1/2

Wenn Steve Martin planen würde, einen Film mit Monty Python zu drehen, dann könnte man davon ausgehen, dass das ein Riesenspaß wird. Wenn Mahmud Ahmadinedschad und Alexander Lukaschenko beschlössen, zusammen einen Staat zu gründen, dann dürfte es dort ziemlich düster zugehen. Und wenn Christof Schlingensief ein Theaterstück mit Klaus Kinski inszenieren wollte, wäre das ziemlich irre (zumal Klaus Kinski tot ist).

Man wusste auch hier, was einen erwartet: Die Shout Out Louds, deren grandioses Debüt Howl Howl Gaff Gaff ein gute-Laune-Garant war, haben ihre neue Platte von Björn Yttling produzieren lassen. Und der ist ein Drittel von Peter, Björn & John, deren Young Folks nicht weniger als der bisher heiterste, unwiderstehlichste, strahlendste Hit des Jahrzehnts ist. Dass hier nicht Trübsal geblasen würde, war also klar.

Und doch ist Our Ill Wills eine Überraschung. Stürmten die fünf Schweden dem Hörer auf dem Vorgänger noch mit offenen Armen entgegen, so schenken sie diesmal nur ein Zwinkern, ein Lächeln. Natürlich ist auch dies eine Sommerplatte, aber keine aus der Mittagshitze oder den lauen Abendstunden. Ein bisschen klingt Our Ill Wills wie der Morgen danach (wenn auch viel unschuldiger): Die Euphorie ist weg, und nun stellt sich die Frage, was überhaupt passiert ist – und was daraus werden soll. Und die Antwort heißt: eine famose Kreuzung aus den Cardigans und The Cure.

Sänger Adam Olenius klingt vor allem in seinen hysterischeren Tonlagen enorm nach Robert Smith. An The Cure erinnert auch die Melancholie, die diese Stücke bei aller Liebe zur Melodie umweht. Und von den Cardigans haben die Shout Out Louds mittlerweile die Verspieltheit übernommen, die ihnen mehr Freiheiten gibt, als Michel von Lönneberga sie sich je hätte erträumen können.

Da tobt sich gleich zu Beginn im schwungvollen Tonight I Have To Leave It ein Glockenspiel aus. You Are Dreaming vereint eine New-Order-Gitarre mit einer himmelsstürmenden Carpenters-Melodie. Das verschlafene Blue Headlights singt Keyboarderin Bebban Stenborg ganz zuckersüß. Wuchtige Drums und flirrende Gitarren harmonieren im grandiosen Time Left For Love ganz prächtig.

Meat Is Murder (kein Smiths-Cover) ist komplett akustisch und ganz und gar untröstlich. Das rotierende Hard Rain wird zum epischen Rausschmeißer in bester Seagull-Tradition.

Im besten Stück der Platte, Impossible, kommt alles zusammen: ein Monster-Refrain, eine riesige Sehnsucht, ein Xylophon-Solo. Ein bisschen düster, ein bisschen irre. Und ein Riesenspaß.

Herrlich romantisch: Das Video zum famosen Impossible:

Die Shout Out Louds bei MySpace.


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