Team Ghost – „Rituals“


Künstler Team Ghost

Die Instrumente des Rock und die Methoden von Electro vereint "Rituals".

Die Instrumente des Rock und die Methoden von Electro vereint „Rituals“.

Album Rituals
Label w-Sphere
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

„Teamgeist“ war der Name des offiziellen Balls zur Fußball-WM 2006 in Deutschland. Team Ghost verfolgen ein Prinzip, das eher auf das Jahr 1996 verweist: die Versöhnung von Rock und Electro.

Christophe Guérin (Gitarre und Gesang), Felix Delacroix (Schlagzeug), Pierre Blanc (Bass) und Jean-Philippe Talaga (Art Director) sind vier Fünftel des französischen Ensembles, das von Nicolas Fromageau ins Leben gerufen wurde. Er hat eine einfache Erklärung dafür, dass er sich nach seinem Ausstieg bei M83 im Jahr 2004 dem Sound verschrieb, den beispielsweise die Chemical Brothers oder The Prodigy geprägt haben: Er mag elektronische Klänge wie die von Brian Eno, aber ebenso die harten Sounds von Sonic Youth und My Bloody Valentine und die düstere Stimmung von Joy Division oder den Cocteau Twins.

Wer Team Ghost nach diesen Bezugspunkten noch immer nicht richtig einordnen kann, bekommt gerne noch zwei ziemlich hilfreiche Tipps: Die 2009 gegründete Band war unlängst als Vorgruppe von Crystal Castles auf Europatournee. Und auf dem Albumcover von Rituals sind Totenköpfe gleichberechtigt neben Ritterrüstungen zu sehen, Glaskugeln neben schmalen Eighties-Krawatten, Keyboards neben E-Gitarren.

Beide scheinen im nahezu instrumentalen Opener Away einen ziemlich heftigen Kampf miteinander auszufechten. Der Track schwingt sich schön auf, ohne dass man dabei einen Sieger ausmachen könnte. Im folgenden Curtains fällt das schon leichter: Die Gitarren sind mega-plakativ, das Ganze wird ein ziemlicher Feger. Am Ende werden ein paar Orgeltöne so oft wiederholt, bis sie offensichtlich sämtliche Instrumente in den Wahnsinn getrieben haben. Das klingt keineswegs angestaubt, hätte (zehn Jahre vor dem „Teamgeist“-Fußball) aber auch gut zu Apollo 440 oder den Propellerheads gepasst, allerdings abzüglich deren britischer Großmäuligkeit.

Schon nach wenigen Minuten ist somit klar, dass Team Ghost für ihr Debüt einen deutlich konkreteren Sound gewählt haben als zuvor auf den beiden EPs I Never Did Anything Wrong To You und Celebrate What You Can’t See. Statt Nebelschwaden und Klangflächen gibt es auf Rituals viele muskulöse Momente und meist klar erkennbare Songstrukturen. Somebody’s Watching hat zwar ein kakophonisches Finale (wie einige Tracks auf diesem Album), ist aber im Prinzip ein ganz normaler Rocksong, etwa im Stile der Charlatans. Die erste Single Dead Film Star könnte man sich gut auch von den White Lies vorstellen (deren letztes Album heißt übrigens Ritual), wenn sie eine kleine Baggy-Vorliebe entwickeln sollten. Montreuil ist ebenfalls vergleichsweise straighter Gitarren-Powerpop mit Gesang, der kein Wässerchen trüben könnte – so etwas bekommt man sonst beispielsweise von Ash geliefert.

Produzent Benoît de Villeneuve, der auf vielen der Stücke auch mit musiziert, erklärt das so: „Irgendwie versuchen wir, experimentelle Popsongs zu machen. Eigentlich mögen wir Popmusik – darum sind die meisten Stücke im Album ziemlich kurz und knackig. Das Ziel war, die rohe Lebensenergie einer Band mit der Präzision einer synthetisierten Landschaft zu mischen. Nicolas und ich arbeiteten in meinem eigenen Studio hart daran, viele unterschiedliche Sounds, Synths und Texturen aufzunehmen. Sobald wir fertig waren, gingen wir ins Studio und nahmen die vollständige Gruppe auf und hörten dabei über Kopfhörer, die zuvor aufgenommenen Stücke an.“

Am elektronischsten wird Rituals mit dem instrumentalen Things Are Sometimes Tragic, das an Faithless (und damit schon wieder an die Mittneunziger) denken lässt, und dem düsteren Synthie-Pop von Pleasure That Hurts mit reichlich Effekten und verfremdeter Stimme. Die spannenden Momente sind aber andere: Die Orgel in Fireworks sorgt für eine im Blues getränkte Psychedelik, wie sie auch die Dandy Warhols manchmal vorführen. All We Left Behind setzt auf Klavier und Streicher, bevor eine Gitarrenexplosion hereinbricht: Das hat erst putziges Placebo-Pathos und dann eine beeindruckende Aggressivität.

Auch Team Ghost als vorletzter Track von Rituals ist auf seltsame Weise kaputt und stolz – so etwas könnte Billy Corgan gefallen, wenn der nicht mit Heavy Metal aufgewachsen wäre, sondern mit den Pet Shop Boys. Im Rausschmeißer We Won’t Fail gibt es keinen Beat, dafür eine schöne Air-Atmosphäre. Solche Momente lassen am ehesten das Credo von Team Ghost erkennen. „Songs müssen deine Phantasie ansprechen“, sagt Benoît, „die Vergangenheit, die Zukunft, Maschinen, die Natur…“ „Und ich habe den perversen Stoff geschrieben“, lacht Nicolas.

Das Video zu Dead Film Star lehrt: Immer im Auto bleiben.

Team Ghost Tour sind im Frühjahr dreimal live in Deutschland zu sehen:

22.04. Berlin, Comet Club

23.04. Hamburg, Uebel & Gefährlich

24.04. Köln, Gebäude 9

Homepage von Team Ghost.

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