Hingehört: The Blood Arm – „Turn And Face Me“ 1


James Dean ist auf dem Cover von "Turn And Face Me", das Feuer von James Brown ist drin.

James Dean ist auf dem Cover von "Turn And Face Me", das Feuer von James Brown ist drin.

Künstler The Blood Arm
Album Turn And Face Me
Label Snowhite
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

Eine kleine Checkliste: Noch mehr nach den Kaiser Chiefs klingen als die Kaiser Chiefs (She’s A Guillotine)? Nicht cool. Als Band aus Los Angeles im Intro eines Lieds seltsame Ähnlichkeiten zu den Wunderbaren Jahren von den Sportfreunden Stiller aufweisen (Friends For Now)? Nicht cool. In einem Song eine Anspielung auf den eigenen bisher größten Hit einbauen (The Creditors)? Nicht cool. Einen Refrain haben, der ausgerechnet bei Hold My Hand, 1994 (!) ein Hit für Hootie & The Blowfish (!!), abgekupfert ist (All My Love Songs)? Überhaupt nicht cool.

Trotzdem cool ist Turn And Face Me, das dritte Album von The Blood Arm. Die Platte macht all die oben aufgeführten Fehler. Das Schöne dabei: Sie macht sie wissend, freiwillig, mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Ähnlich wie Art Brut (Pianistin Dyan Valdés betreibt mit deren Sänger Eddie Argos das Nebenprojekt Everybody Was In The French Resistance) oder die Wombats haben The Blood Arm ihren Triumph im Scheitern gefunden. Vor allem aber hat das Quartett auch auf Turn And Face Me jede Menge Hits.

Man kann natürlich bemängeln, dass sich das Quartett seit dem Debüt vor sieben Jahren kaum weiterentwickelt hat und auf Turn And Face Me weitgehend auf eine etablierte Formel setzt. Aber es ist eine höchst unterhaltsame Formel, die der NME einst so definiert hat: „They’re essentially James Brown fronting Talking Heads and singing Fall songs, but they’re more than that too.“

Der Opener She’s A Gullotine hat den Optimismus von Ricky Wilson und Konsorten, ergänzt um eine Prise Glamrock und ein gewaltiges Sixites-Faible. I Need You wird beinahe Hardrock, die Single Relentless Love öffnet dezenter Elektronik die Tür. Das exaltierte Introducing Randy Newman lässt verstehen, warum Franz Ferdinand einst The Blood Arm als Vorgruppe verpflichteten. Starved For Affection klingt mit seinem Cemballo-Intro und den Bläsern wie ein außer Rand und Band geratenes Uni-Orchester. Das hysterische D-D-D-D-D-Dementia mag vom Vergessen handeln, kann sich aber in jedem Fall noch daran erinnern, wer die Young Knives sind.

Immer wieder hämmert Dyan Valdés (die ebenso wie Sänger Nathaniel Fregoso mittlerweile in Berlin lebt) höchst energisch auf ihr Klavier ein. Immer wieder gibt es unwiderstehliche Melodien wie in The Creditors. Und immer wieder singt Nathaniel Fregoso aus der Perspektive des optimistischen Verlierers, des Trottels mit dem Herz am rechten Fleck. „I’m a part of you / like you’re a part of me / (…) I’m a fool / but I could be true to you“, im famosen Temporary Woman ist der beste Moment für diese Methode.

Don’t Let Him Break Your Heart gibt sich erst als Kuschelrock aus, wird dann aber doch noch energisch. Am Ende von Turn And Face Me gibt es aber auch noch eine echte Ballade. Der Rausschmeißer setzt auf Pfeifen und die bezaubernde Stimme von Dyan Valdés. Forever Is Strange heißt dieser letzte Song. Man kann das „Is“ auch gerne weglassen – dann hat man das Grundprinzip von The Blood Arm.

Bei einer Band mit einem Lied, das mal den Arbeitstitel Fuck The Creditors hatte, muss man wohl vermuten, dass die Hauptfigur im Video zu Relentless Love ein Finanzhai ist:

The Blood Arm bei MySpace.


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