Hingehört: The Bony King Of Nowhere – „Eleonore“


Künstler The Bony King Of Nowhere

Wer genau "Eleonore" ist, verrät der Bony King Of Nowhere auf seinem zweiten Album nicht.

Wer genau „Eleonore“ ist, verrät der Bony King Of Nowhere auf seinem zweiten Album nicht.

Album Eleonore
Label Rock’o Co
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Okay, zuerst die drei wichtigen B:

B wie Beck: So sieht der Bony King Of Nowhere aus. Blass, verängstigt und nett schaut er einen vom Cover von Eleonore an, wie der junge Beck Hansen zu Zeiten von Loser.

B wie Belgien: Da kommt der Bony King Of Nowhere her. Nicht gerade das Epizentrum der Popkultur. Trotzdem hat er es mit seiner Musik beispielsweise schon geschafft, Devendra Banhart zu einem Fan von sich zu machen.

B wie Bram Vanpary: Das ist der echte Name des Bony King of Nowhere. Eleonore ist sein zweites Album nach dem Debüt Alas My Love aus dem Februar 2009.

Bedenkt man, dass es hier im weitesten Sinne um Folkmusik geht, die Bandbreite also beispielsweise 280-bpm-Beats oder Autotune-Chöre tendenziell ausschließt, dann sind die Unterschiede zum Vorgänger durchaus beträchtlich. „Die Band und ich haben uns in Quarantäne in meinem Dachboden begeben und hart an den neuen Songs gearbeitet“, erklärt der Bony King of Nowhere. Das hatte zur Folge, dass die fünfköpfige Formation diesmal schon mit weitgehend fertigen Stücken ins Studio kam. Dort wurde nur noch wenig ergänzt. „Ich habe gleichzeitig gesungen und Gitarre gespielt. Da konnte ich mir kaum Gedanken darüber machen, was ich gerade mit meiner Stimme mache. Das hat dazu geführt, dass ich spontaner, natürlicher singe. ‚The more you think, the more you stink’ – daran haben die Leute in den 1960er Jahren geglaubt. Das Motto habe ich gerade in der Vorbereitungszeit zu Eleonore adaptiert.“

Fast alles wurde live aufgenommen, entsprechend unbehauen und organisch klingt dieses Album. Man sollte das freilich nicht mit Schlichtheit verwechseln. Von der ersten Sekunde an herrscht auf Eleonore die maximale Dramatik und eine Schwermut, die immer wieder an Get Well Soon denken lässt. Verschwurbelte Sehnsuchts-Chöre wie im Opener Sleeping Miners sorgen dafür, ein Refrain voller Theatralik wie in The Garden oder auch mal etwas Country-Flair wie im Walzer Going Home.

Some Are Tearful wartet gar mit einer Harfe und einem abstrakten Klaviersolo auf, in Hear Them Calling steckt eine Orgelmelodie, die sich zu einem Strudel entwickelt. Ausnahmsweise darf in Girl Form The Play auch eine E-Gitarre ran, das Ergebnis ist so zeitlos, dass es sowohl ein Achtziger-Hit von Crowded House sein könnte als auch eine vergessene Sixties-Perle von Tim Buckley.

Ganz zum Schluss zeigt der Bony King Of Nowhere, dass er nicht mehr als eine Gitarre und seine Stimme (irgendwo zwischen Thom Yorke, Søren Huss von Saybia und Daniel Bellqvist von Eskobar) braucht, um sechs Minuten mit so viel Intensität zu füllen wie das sonst nur Ryan Adams hinbekommt.

Das ist alles sehr hübsch und atmosphärisch, wird aber mitunter durch die plumpen Texte getrübt. „Reim dich oder ich fress dich“ scheint manchmal das Motto auf Eleonore zu sein. Der Bony King Of Nowhere hat eine andere Erklärung dafür: „Ich schreibe ohne wirklich nachzudenken. Meine Texte sind oft in weniger als fünf Minuten geschrieben. Danach brauche ich meist eineinhalb Jahre um selbst zu verstehen, wovon sie handeln.“

Ende November ist der Bony King Of Nowhere zweimal live in Deutschland zu sehen:

29. November: Indra (Hamburg)
30. Norvember: Berghain (Berlin)

Auch bei dieser Session von The Garden in Brüssel muss man sagen: Er sieht aus wie Beck, der Bony King Of Nowhere:

The Bony King Of Nowhere bei MySpace.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.