Hingehört: The BossHoss – „Liberty Of Action“ 2


Künstler The BossHoss

Eine Nummer größer und einen Schritt weiter: The BossHoss auf "Liberty Of Action".

Eine Nummer größer und einen Schritt weiter: The BossHoss auf „Liberty Of Action“.

Album Liberty Of Action
Label Island
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

„All I want is liberty of action“, lautet der erste Refrain, den The BossHoss auf ihrem sechsten Album anstimmen. Das passt wunderbar. Schließlich spielen die Cowboys von der Spree gerne mit dem Image des Rednecks mit Konföderierten-Flagge am Truck. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie solch ein Zeitgenosse auf seiner Veranda steht und ungebetene Gäste mit der Schrotflinte vertreibt. „Ich kann hier tun, was ich will“, wird er diese Auslegung des Hausrechts wohl verteidigen.

Die Liberty Of Action interpretieren die BossHoss aber glücklicherweise in einem deutlich friedlicheren Sinn: als künstlerische Narrenfreiheit. „Wir haben es geschafft, über die Jahre The BossHoss als Band so zu etablieren, dass wir über Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert verfügen, die aber nicht alleine auf der Assoziation mit Country beruhen“, sagen sie – und entsprechend mutig entwickelt das Septett seinen Sound auf Liberty Of Action weiter.

Das fängt schon bei besagtem Titelsong an, der sich erstaunlich kreativ zeigt in den Variationen des immergleichen Riffs. Die Single Don’t Gimme That ist funky und eingängig und bei weitem nicht das einzige Stück, das man zu Beginn ihrer Karriere niemals von BossHoss erwartet hätte. Ein Beleg dafür ist My Country, das mit Banjo, Polkabeat und natürlich Mundharmonika im genau richtigen Maße die Klischees des Genres aufs Horn nimmt, und schon clever genug wäre, wenn es nicht auch noch eine Übersetzung von Rammsteins Mein Land wäre. Auch der Quasi-Pop von Sex On Legs überrascht. Und ganz am Schluss wird es in L.O.V.E. (gemeinsam mit Nena) unerhört putzig.

Vor allem aber enthält Liberty Of Action immer wieder Momente, in denen die Band ihre Individualität feiert. Das sehr gelungene Live It Up hat im Kern alle typischen BossHoss-Elemente, schummelt aber einen HipHop-Beat darunter und, passend dazu, am Ende auch noch einen augenzwinkernden „Hey Ho“-Chor. Da dürften Everlast oder Kid Rock durchaus neidisch werden.

My Way strotzt ebenfalls vor Selbstvertrauen und könnte Billy Idol zum Tanzen bringen. Auch Hayday verkündet das Motto: „Wir ziehen unser Ding durch, und wir haben Spaß dabei.“ Ins sehr spaßige Still Crazy ’Bout Elvis bauen The BossHoss frech ein Stückchen Jailhouse Rock ein, mit Money wagen sie sich sogar an ein Stück, das immerhin auch schon die Beatles gecovert haben. Und in Run, Run Devil, das ebenso lustig wie angsteinflößend im Sinne der Sisters Of Mercy ist, drohen sie schließlich dem Teufel höchstpersönlich, ihm gehörig den Hintern zu versohlen.

Als Inspiration für Liberty Of Action haben die Berliner noch einmal einen ganz tiefen Atemzug voller Westernluft genommen: Sie sind durch Texas gereist, haben Songs geschrieben und Konzerte gespielt. Dass sie dabei durchaus Vitalität gewonnen haben, beweisen auch die beiläufigeren Momente der Platte. The Answer etwa hat einen angenehmen Beat und ein tolles Orgelsolo, wirkt recht unspektakulär, ist aber wichtig für den Spannungsbogen des Albums.

Mit I Keep On Dancing (einem etwas plumpen Beatsteaks-Versuch) und Riding High, Singing Low (das ein nettes Seventies-Flair im Sinne der Moody Blues hat, aber nicht recht zündet) gibt es zwar auch ein paar Schwachpunkte. Insgesamt beeindruckt Liberty Of Action aber mit Vielfalt und Abwechslungsreichtum. Hoss Power fasst das sehr treffend zusammen: „Auf unserem ersten Album Internashville Urban Hymns wollten wir die Größe von Nashville nach Berlin transportieren. Die neuen Stücke würde ich eher als Über-Nashville Urban Hymns bezeichnen. Diesmal geht alles noch viel weiter.“

BossHoss erklären, was die Fans von Liberty Of Action erwarten können:

The BossHoss bei MySpace.

Eine Kurzversion dieser Rezension gibt es auch bei news.de.


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