Hingehört: The Doors – „Greatest Hits, Volume 3“ 2


Ein Höllenritt: „Greatest Hits, Volume 3“ von den Doors.

Künstler The Doors
Album Greatest Hits, Volume 3
Label Duchesse
Erscheinungsjahr 1990
Bewertung ***1/2

Was sich bei der zweiten Auflage der Greatest Hits schon andeutete, wird hier offenbar: Die Doors waren sicher eine gute Band, an Einfluss eher noch unterschätzt denn zu hoch bewertet. Doch dieser Einfluss bestand nicht vordergründig in ihren Songs, und schon gar nicht in Hits. Die Doors waren immer eine Album-Band, für die leidigen Singles mussten die Originalversionen oft rigoros gekürzt werden, und so sucht man Chart-Topper oder Stücke, die noch heute im Oldie-Radio gespielt würden, auf Greatest Hits, Volume 3 vergebens.

Das liegt nicht etwa daran, dass sich die Zeiten, Moden und Trends gegen die Band gewendet hätten, sondern schlicht und ergreifend an den Songs. Robbie Kriegers Touch Me kokettiert mit Cemballos, Streichern und Bläsern, bleibt aber dennoch zu düster für die Hitparaden. Auch Jim Morrisons Shaman´s Blues im 3/4-Takt ist zu sperrig für Jedermann.

Längst hatte sich der Sänger in andere Sphären verabschiedet. „Can you give me sanctuary / I must find a place to hide“, barmt er am Anfang des einfach unfassbaren The Soft Parade, doch Schutz und Schirm hat er nirgends mehr gefunden. Eine Band, die jetzt mindestens progressiv, vielleicht sogar Avantgarde war und ein Sänger, der lieber Dichter gewesen wäre, konnten zusammen so ziemlich alles fabrizieren, nur keine Hits. Donovan-ähnliche Kammermusik war jetzt für die Doors möglich (Wishful, Sinful), Porträts mit Kinks-Anleihen (Love Street), Stillleben mit Rückwärts-Elementen (I Can´t See Your Face In My Mind), Rockabilly-Skizzen (Easy Ride), sogar Mini-Operetten (Yes, The River Knows), Slow-Motion-Hardrock (Wild Child) und Big-Band-Balladen (Tell All The People).

Zum Schluss gibt es sinnigerweise When The Music´s Over, einen 11-Minuten-Höllenritt. Die Strophe typisch mit nur zwei Akkorden, monotonem Bass und Schlagzeug, aber kreativer Gitarre und Orgel, das Solo ein einziger Sturm, danach viel Improvisation und noch mehr Lücken. Kurz bevor der Song im Nichts verschwindet, schließlich der Befehl zum Großangriff: „We want the world, and we want it now.“

Live (und in Farbe!): When The Music’s Over:

Die Doors bei MySpace.


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