Hingehört: The Duke Spirit – „Cuts Across The Land“ 4


The Duke Spirit machen auf "Cuts Across The Land" Rock für die Rampensau in uns.

Künstler The Duke Spirit
Album Cuts Across The Land
Label Loog
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung ****

Drei Dinge, die shitesite über The Duke Spirit wusste, bevor wir diese Platte hörten: 1. Die Sängerin von The Duke Spirit heißt Liela Moss. 2. Liela Moss, die Sängerin von The Duke Spirit, sieht atemberaubend gut aus: ein verkaterter Engel oder eine Guerilla-Schönheitskönigin. 3. Liela Moss, die äußerst attraktive Sängerin von The Duke Spirit, ist legendär trinkfest, ein Party-Animal, ein Rock’N’Roll-Derwisch.

Diese drei Dinge könnten fast dafür reichen, dass Cuts Across The Land drei Sterne bekommt. Immerhin fallen Rezensenten noch immer gerne auf den Mädchen-mit-Gitarre-Faktor rein, dem sich gerade Rockkritiker mittleren Alters offensichtlich schwer entziehen können. Wenn dazu noch das Rampensau-Image kommt, das ja unabhängig vom Geschlecht in diesem Geschäft hoch geschätzt wird, ist zumindest ein wohlwollendes Urteil schon so gut wie sicher. Doch, und das ist die gute Nachricht für alle Schwulen, Blinden und Mädchen, die jetzt verdammt neidisch auf Liela Moss sind: The Duke Spirit haben all das gar nicht nötig.

Zunächst einmal sind da die vier männlichen Mitstreiter (die sich übrigens durchaus auch sehen lassen können), die hier ein dermaßen unerbittliches Gitarreninferno entfachen, dass man sich beinahe hinter der Bar in Sicherheit bringen will, um vor dieser Rock’N’Roll-Lawine geschützt zu sein und das Spektakel unbeschadet überstehen (und genießen) zu können. Das ist ein ganz klassischer Sound, mit Mundharmonika, Orgel und reichlich Gitarren.

Schlagzeuger Olly Betts treibt das Ganze voran, haut dabei lieber auf die Toms als auf die Becken und gibt den Stücken damit gleichzeitig Gravitation und Schub. Bassist Toby Butler weiß um die Wirkung der Wiederholung. Und die Gitarrenhelden Luke Ford und Dan Higgins können ihren Instrumenten auf Cuts Across The Land von Slide-Gespenstern bis hin zu Riff-Monstern so ziemlich jeden Sound entlocken.

Vor allem aber ist da, wir müssen schon wieder damit anfangen, Liela Moss. Sie hat nicht nur eine Stimme, die das Unerbittliche von PJ Harvey mit der Koketterie von Debbie Harry vereint. Sie schreibt nicht nur Texte, in denen sie nichts konkret sagt, und die doch genau ausdrücken, wogegen sich ihre Wut richtet und was sie an deren Stelle setzen möchte. Und sie versteht es auch, sich dermaßen unbedingt in diese Lieder zu werfen, dass man gar nicht anders kann, als hinterherzuspringen.

Das ist die große Stärke von The Duke Spirit: Alles hier ist absolut. Der Titelsong als Kampfschrei zum Auftakt, der stampfende Furor von Win Your Love, der Mahlstrom von Bottom Of The Sea, die Urgewalt von Stubborn Stitches, der tiefe, hämmernde Schmerz von Darling, You’re Mean, das brachiale Punk-Gewitter „Lion Rip“, der fantastische, apokalyptische Lärm von Fades The Sun.

Der absolute Kracher aber ist Love Is An Unfamiliar Name, ein Monolith, der sich zum Schluss in einen fast orgiastischen Rausch hineinsteigert. Spätestens dann ist klar: Man muss (auch wenn es nichts schadet) nicht in Liela Moss verknallt sein, um diese Platte zu lieben. Nur in Rockmusik.

Ein, ähm, liela Leuchtturm und ein Geisterschloss: Der Clip zum Titelsong Cuts Across The Land:

The Duke Spirit bei MySpace.


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