Hingehört: The Enemy – „We’ll Live And Die In These Towns“


"We'll Live And Die In These Towns"? Von wegen! The Enemy brechen aus, mit Siebenmeilenstiefeln.

Künstler The Enemy
Album We’ll Live And Die In These Towns
Label Warner
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***1/2

Die Stadt von der sie reden, ist Coventry. „Es gibt hier überhaupt nichts, was man machen kann“, sagt Tom Clarke, Sänger und Gitarrist von The Enemy über die einstige Hochburg der britischen Autoindustrie. Die Band hasst diese Stadt, und doch hat sie ihren Einwohnern ihr Debütalbum gewidmet.

Es heißt We’ll Live And Die In These Towns. Dass im Titel nicht mehr von Coventry, sondern von irgendwelchen Städten die Rede ist und nicht mehr von drei Jungs, sondern von uns allen, hat durchaus seine Bedeutung. Denn The Enemy singen hier das Lied vom Leid an festgefahrenen Bahnen, von zu wenig Chancen, vom Tod der Fantasie.

Es ist ein Lied, das man in vielen Städten der westlichen Welt erkennen wird. Und sie singen es großartig. Vor allem im Titelsong erinnert das an die grandiosen The Jam, auch wenn die Erkenntnis, dass arme Jungspunde in Britannien auch nach zehn Jahren New Labour noch wenig Perspektiven sehen, ein wenig traurig macht.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Hier wird nicht Trübsal geblasen. Aus der Lethargie und Enge brechen The Enemy vielmehr aus, in Siebenmeilenstiefeln, auf Shoppern und mit Raumschiffen, die alle den gleichen Treibstoff haben: Hits. Gleich der Opener Aggro ist ein Weckruf. 40 Days And 40 Nights springt mitten ins Gesicht. Der unerbittliche Wirbelsturm namens Pressure lässt Muse wie Chorknaben aussehen. Had Enough ist zupackend und schlau.

This Song klingt wie Arcade Fire, würden die sich mit Bier dopen statt mit Messwein. Und im umwerfenden You’re Not Alone steckt genug Euphorie, um einen Todeszellen-Kandidaten zum Tanzen und Hüpfen und Grinsen zu bringen. Und dann natülich zum Heulen, wenn er merkt, dass er all diesen Spaß bald nicht mehr haben wird.

Er halte nicht viel von Karriere und Beförderungen, singt Tom Clarke im unwiderstehlichen Away From Here. Da sollte er noch einmal umdenken: Der Song erreichte in den UK-Charts bereits die Top 10. Und bei so viel Talent wird es zwangsläufig noch weiter aufwärts gehen.

Zum ersten Mal im Fernsehen, und gleicht sieht es aus wie im Beat Club: The Enemy spielen Away From Here in Transmission (und die dämliche Ansage kann man getrost ignorieren):

The Enemy bei MySpace.

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