Hingehört: The Hundred In The Hands – „The Hundred In The Hands“


The Hundred In The Hands machen den Soundtrack für einen Beinahe-Sommer.

The Hundred In The Hands machen den Soundtrack für einen Beinahe-Sommer.

Künstler The Hundred In The Hands
Album The Hundred In The Hands
Label Warp
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung ***

Es war ein seltsamer Sommer. Frisbee im Park, Surfen am Strand, barfuß am Grill? Dazu war es erst zu kalt, dann viel zu heiß, dann wieder zu aprilig. Es gab ein paar Tage dazwischen, in denen die Menschen mit der größten Sommersehnsucht einfach aus Prinzip trotzdem kurze Hosen, Miniröcke und Sonnenbrillen trugen. Aber das war eher so etwas wie eine Feier der Idee, kein wirklicher, aktueller Original-Sommer. Ein bisschen wie Woodstock II.

The Hundred in Hands haben den perfekten Hit für diesen Sommer geschrieben, der nie so richtig zum Sommer wurde. Er heißt Pigeons, ist heiter und leicht, aber nicht vollends euphorisch – und kommt natürlich deutlich zu spät. Das passt durchaus zu dem Duo aus Brooklyn. Denn allzu eilig hatten sie es auch mit ihrem gestern erschienenen Debütalbum nicht. Nachdem sie mit dem famosen Dressed in Dresden dank feinem Beat und einer nervösen Bloc-Party-Gitarre schnell viel Aufsehen erregt hatten, zogen sie sich erstmal zurück und machten mit Hilfe der Produzentengrößen Richard X, Jacques Renault und Chris Zane in Ruhe ein ganzes Album.

Es hat sich gelohnt. Denn Jason Friedman und Eleanore Everdell liefern hier extrem stilsichere Popmusik, manchmal Rock (Commotion klingt wie eine gut gelaunte Version der Editors, kombiniert mit dem Gesang der B-52s), manchmal Elektro (Killing It, sehr sexy), immer Disco. You Aren’t Young lässt gleich zu Beginn mit seinem verhuschten Sound und der sehr sparsam eingesetzten, aber doch markanten Gitarre an Saint Etienne denken. Danach beweist auch Lovesick (Once Again), dass The Hundred in The Hands es verstehen, aus Bekanntem etwas Spannendes zu machen: Den Beat hat man schon tausendmal gehört, und auch die Gitarre ist nicht sonderlich originell, trotzdem hat das Lied einen ganz eigenen Zauber.

In der Mitte schwächelt das Album zwar ein wenig (This Day Is Made gerät eher schwach, Gold Blood findet kein Ziel), doch dann gibt es wieder reichlich Highlights. Last City ist ein wahr gewordener Traum für alle, die schon immer wissen wollten, wie eine Kreuzung aus Blondie und The Sounds klingen würde. Und der Rausschmeißer The Beach klingt wie die bezaubernde Annie, wenn die plötzlich in eine tiefe, existenzialistische Krise stolpern würde, in der sie sich vor allem fragt, ob eine Revolution sich lohnen könnte.

Mit Dead Ending haben The Hundred In The Hands zudem noch so einen quasi-Sommerhit dabei. Es ist die Verheißung von bedingungsloser Euphorie, von ewiger Sorglosigkeit, und doch ist sie ein kleines bisschen gehemmt – als wüsste sie, dass all dies vergänglich ist. Eleanore Everdell und Jason Friedman nennen diesen Sound selbst gerne „summertime gothic“. Das trifft es.

Das Video zu Pigeons erzählt die Geschichte des Songs: ein Mädchen, das immer wieder versucht, von den langweiligen Partys ihrer Freunde zu fliehen.

The Hundred In The Hands bei MySpace.

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