The White Stripes – „Get Behind Me Satan“ 8


Künstler The White Stripes

„Get Behind Me Satan“ von den White Stripes steckt voller Seele, Intensität und Originalität.

Album Get Behind Me Satan
Label XL Recordings
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung

Früher hatte man es als Musiker noch einfach. Der Teufel lauerte einem irgendwo auf, vielleicht ging man auch selbst zu ihm hin. Man verkaufte seine Seele, musste dafür irgendetwas rückwärts auf seine Platten sprechen und bekam im Gegenzug magische Kräfte. Vielleicht die Fähigkeit, Gitarre zu spielen wie kein anderer (Robert Johnson), vielleicht reichlich tolle Songs (Rolling Stones), vielleicht bloß kurzen Ruhm und Rausch (Vanilla Ice).

Heute scheint das alles nicht mehr so recht zu funktionieren. Schaltet man das Radio an, hört man reichlich Leute ohne Seele, doch man wundert sich, wo die magischen Fähigkeiten geblieben sind. Wahrscheinlich gibt es einfach ein Überangebot an Seelen und der Herrscher der Hölle ist ein bisschen ausgepowert. Da wundert es, dass er sich nun ausgerechnet der White Stripes bemächtigen wollte. Zumindest muss man das vermuten, haben Jack und Meg White ihr neues Album doch Get Behind Me Satan genannt – ein abgewandeltes Zitat aus dem Neuen Testament, das zur Abwehr des Bösen gebraucht wird.

So viel vorweg: Der Teufel hat sie nicht gekriegt. Die neue Platte, aufgenommen innerhalb von zwei Wochen, ist ein würdiger Nachfolger von Elephant, steckt voller Seele, Intensität und Originalität.

Wer allerdings ähnlich monumentale Riffs, ähnlich konzentrierte Wucht und ähnlich spartanische Arrangements erwartet, wie man sie von den bisherigen vier Alben des Garagen-Duos aus Detroit kannte, wird überrascht sein. Natürlich können sie noch brachiale Blues-Exstasen (Instinct Blues) unwiderstehlichen Hauruck-Rock (The Denial Twist) und leicht überdrehten Country (Little Ghost). Aber sonst geht es hier ungleich subtiler zu, nicht nur beim Instrumentarium.

Gleich im ersten Stück, der vollkommen hysterischen Single White Orchid wird gegen das erste White-Stripes-Gebot („Du sollst keinen Bass benutzen“) verstoßen. Später kommen Rasseln und Pauken dazu (Take, Take, Take), reichlich Klavier und etwas, das verdächtig nach einem Glockenspiel klingt (Red Rain). Krönung ist die Marimba in The Nurse: Im Hintergrund versuchen brachiale Schlagzeug- und Gitarrensalven vergeblich, deren exotischen Klang zu meucheln. Das Resultat ist ebenso gespenstisch wie abgefahren.

Auch mit dem grandios schmissigen My Doorbell (Jacks Falsetto-Gesang wird hier fast gerappt und strotzt, wie auf vielen der Stücke, vor sexuellen Anspielungen) betreten die White Stripes völliges Neuland, ohne natürlich jemals modern zu klingen. Man mag kaum glauben, dass sie dem Teufel (und der Versuchung, sich bloß selbst zu kopieren) widerstanden haben: Hier sind überirdische Kräfte am Werk.

So schief kann ein Talkshow-Auftritt laufen: Der grandiose Clip zu The Denial Twist:

Die White Stripes bei MySpace.