Hingehört: Theme Park – „Theme Park“


Mitmachen, mitsingen, mittanzen - diese wundersamen Effekte hat "Theme Park".

Mitmachen, mitsingen, mittanzen – diese wundersamen Effekte hat „Theme Park“.

Künstler Theme Park
Album Theme Park
Label Transgressive
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Okay, ich muss zugeben: Diese Platte ist schon im März erschienen (in England sogar schon im Januar). Aber die beste Zeit, um Theme Park zu entdecken, ist genau jetzt. Denn das Trio aus London hat ein Debüt hingelegt, das genau so klingt wie der Anfang des Sommers: hell, unbeschwert, sexy, verheißungsvoll.

“I find it interesting that people can write when they’re sad. I write when I’m in a wave of happiness and euphoria because I want to share this feeling. I’m looking for the moment where you find something that’s so great you want to loop it around, get up and dance to it. You’re happy because you’re dancing and you’re happy because you wrote it – it’s a double hit of happiness”, sagt Sänger Miles Haughton, der gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Marcus (beide sind Jahrgang 1989) und dem gemeinsamen Grundschulfreund Oscar diese Band bildet. Seinem sehr einleuchtenden und sehr überzeugenden Bekenntnis zur guten Laune lässt er auf Theme Park definitiv Taten folgen.

Der Auftakt Big Dream ist sehr schick, sehr tanzbar und eines von vielen Liedern, die von reichlich Percussion-Einsatz profitieren. Das herrliche Jamaica glänzt dann mit kreativen Gitarren und dem schönen Zusammenspiel der Stimmen, und passend zu diesem Songtitel ist „Sorgen“ da ein Begriff, der allenfalls im Wörterbuch existiert.

Two Hours basiert (wie die meisten Tracks auf diesem Album) auf einem einfachen, aber effektiven Schlagzeug, baut eine reizvolle Killers-Atmosphäre auf und gewinnt dann immer mehr an Tempo und Intensität. A Place They’ll Never Know setzt auf verzerrten Bass und eine sehr hohe Stimme, Still Life hat eine markante Orgel und einen nervösen Beat zu bieten, Blind entfaltet zum Schluss der Platte einen Groove, der niemals aufdringlich ist, aber doch unwiderstehlich.

Dass es manchmal die ganz einfachen Dinge sind, die am besten funktionieren, haben Theme Park offensichtlich längst gelernt, und das schlägt sich auch in den Texten nieder. „Let’s fly tonight / let’s get high tonight“, heißt die Aufforderung in Tonight. Der Track ist funky und majestätisch und klingt genau wie die Musik, die Jay-Z wahrscheinlich hört, wenn er am Pool liegt und sein Geld zählt. „We got the love / we got the light“, skandieren Theme Park in Wax, das von Franz Ferdinand stammen könnte, wenn die gerade frisch von einem sehr langen Karibikurlaub mit Bryan Ferry zurück kommen.

Miles Haughton hat kein Problem damit, wenn er auf das Offensichtliche setzt statt auf das Obskure. „I want it to be appreciated as a pop album, rather than the debut of a left field East London band. (…) It should all feel effortless and un-self conscious”, sagt er über diese Platte. Das gelingt meisterhaft: Theme Park ist ein Mitmach-Album, wie gemacht zum Mitsingen und Mittanzen, eine Einladung, das Leben zu genießen. Ghosts, der beste Song der Platte, verkörpert das am besten: Das Lied dürfte Prince stolz machen (und ihm beweisen, dass er ein Vermächtnis jenseits seltsamer Zeichensprache hinterlassen hat) und dürfte als die erste gelungene Kreuzung aus Lionel Richie und Vampire Weekend gelten.

Theme Park bieten aber auch die nötige Abwechslung, um ihr Debüt nicht eindimensional erscheinen zu lassen. Los Chikas zum Beispiel kommt kurz vor Ende der Platte ohne Schlagzeug aus, das Ergebnis klingt, als würden die Beach Boys versuchen, wie die Strokes zu klingen. Saccades (Lines We Delay) hört man an, dass der Track erst bei der Arbeit im Studio mit Produzent Luke Smith (Clor) entstanden ist. Das Lied beginnt mit einer verfremdeten Gitarre, Unterwassergesang und einem Drumcomputer, der das letzte bisschen Saft aus seiner Batterie herauszuholen scheint. Nach gut zwei Minuten verwandelt es sich dann allerdings in einen Blondie-Hit (wenn Blondie jemals so verrückt gewesen wären, ein Instrumental aufzunehmen).

Unterm Strich ist Theme Park ein wundervolles, intelligentes, mitreißendes Debüt ganz in der Nähe von Two Door Cinema Club, Bloc Party und Bombay Bicycle Club (mit denen das Trio durchweg schon auf Tour war). Nur ein Problem gibt es: Nach 39:20 Minuten ist die Platte viel zu schnell vorbei. Aber das ist mit dem Sommer ja auch immer so.

Die T-Shirts im Video zu Ghosts wären für die Garderobe von Prince definitiv zu langweilig gewesen:

Homepage von Theme Park.

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