Hingehört: True Widow – „As High As The Highest Heavens And From The Center To The Circumference Of The Earth“


Ganz einfach, sehr wirkungsvoll: Das gilt bei True Widow auch für das Albumcover.

Ganz einfach, sehr wirkungsvoll: Das gilt bei True Widow auch für das Albumcover.

Künstler True Widow
Album As High As The Highest Heavens And From The Center To The Circumference Of The Earth
Label Kemado Records
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***

50 Minuten lang ist dieses Album (das auf Vinyl sogar ein Doppelalbum ist). Aber schon ganz, ganz früh weiß man, wie As High As The Highest Heavens And From The Center To The Circumference Of The Earth klingt. Das meint nicht: Man bekommt eine Ahnung, man kann ein paar Koordinaten abstecken, man findet eine passende Schublade für den Sound von True Widow. Nein. Es meint: Man weiß ganz genau, woraus diese Musik besteht. Man kennt die Instrumente, die Atmosphäre, das Tempo. Alles.

Was passiert in dieser ersten Minute von As High As The Highest Heavens And From The Center To The Circumference Of The Earth? Es erklingt ein träger Beat von Schlagzeuger Slim, 14 Sekunden lang. Erst dann ist ein schweres Riff von Gitarrist D.H. zu hören und zugleich der verzerrte Bass von Nikki. Ihre Stimme setzt dann nach fast genau einer Minute des Openers Jackyl ein, und sie klingt wie die Stimme einer Frau, die lebendig eingemauert wurde und nun aus irgendeiner Ecke singt, die jetzt noch ihr Gefängnis ist und bald schon ihr Grab sein wird.

Wer diese Zutaten richtig zusammen zählt, der weiß: True Widow machen etwas, das man Postrock nennen könnte, oder Grunge, oder Shoegaze. Und sie machen es auf As High As The Highest Heavens And From The Center To The Circumference Of The Earth, ihrem zweiten Album, in einer sagenhaften Konsequenz.

Es gibt ein paar minimale Variationen. Gitarrist H.D. greift ebenfalls zum Mikro, und auch dann ist der Gesang von einer fast meditativen Schwermut durchzogen. In Blooden Horse gibt es ein bisschen mehr Picking anstelle von Riffs, wodurch ein wenig Licht in die Welt des Trios aus Dallas fällt. Kurz vor Ende des Albums lässt das knapp einminütige Interlude, eine Skizze zur akustischen Gitarre, an die kontemplativen Momente von Nirvana denken. Und Boaz erinnert mit seiner Vorliebe für Repetition-Depression und ganz viel Hall auf der Stimme an die sehr frühen Blur.

Doch ansonsten dominiert auf As High As The Highest Heavens And From The Center To The Circumference Of The Earth ein bewundernswerter Stoizismus. Man ahnt sofort, dass man mit True Widow sicher wunderbar über Gitarren, Verstärker und Effektgeräte fachsimpeln kann. Oder über B-Seiten des Black Rebel Motorcycle Club. Aber diese Sturheit im Sound, das Schlagzeug, das durchweg wie ein lebensmüdes Uhrwerk rumort, der wuchtige Bass, der wie ein Naturgesetz klingt, die Gitarre, die diesen Songs eine ganz eigene Gravitation verleiht – dieses immer und immer wieder gleiche Rezept führt keineswegs zu Eintönigkeit.

Im Gegenteil: Je öfter man As High As The Highest Heavens And From The Center To The Circumference Of The Earth hört, desto klarer wird, dass True Widow eine gewaltige Ähnlichkeit mit Schildkröte aus Dittsches Lieblingsimbiss haben. Der unerschütterliche Glaube an die eigene Persönlichkeit, gepaart mit der völligen Abwesenheit von Hektik – das führt hier nicht zu Langeweile, sondern zu Majestät.

Ha! Ich sag’s doch! Verstärker und Effektgeräte! Zu sehen im Video zu Skull Eyes:

True Widow bei MySpace.

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