I Salute – „How You Like Me Now“


Künstler I Salute

How You Like Me Now I Salute Review Kritik

Die Gitarrenwurzeln von I Salute sind auf „How You Like Me Now“ gut zu erkennen.

EP How You Like Me Now
Label Four Music
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

In der Bibliothek schreibt Sören Geißenhöner, eine Hälfte von I Salute, am liebsten seine Texte. Er wählt diesen Rückzugsort, weil er sich dort gut konzentrieren kann, aber auch sofort neue Inspiration und Perspektiven in den Büchern finden kann. Dieses Detail passt perfekt zur Musik des Duos (zweite Hälfte: Magnus Wichmann), das seit 2013 zusammenarbeitet und übermorgen mit der EP How You Like Me Now seine dritte Veröffentlichung vorlegt.

Denn die Fähigkeit, sich ablenken zu lassen von der Welt – sowohl der äußeren als auch der in unseren eigenen Gedanken – scheint die Grundlage für das ästhetische Prinzip von I Salute zu sein. Ein Track wie Malice zeigt das: Es gibt ein Funk-Fundament und originelle Zeilen wie „Alle Gewalt der Intuitive!“ Insgesamt reicht das Spektrum aber alleine in diesem Lied von stoisch bis verspielt, von rabiat bis filigran. Wer ADHS-Pop dazu sagen will, liegt vielleicht nicht ganz daneben.

„Ich versuche, alles aus meiner eigenen Perspektive zu sehen und aus allen anderen Perspektiven, die ich mir vorstellen kann“, beschreibt Sören Geißenhöner seinen Ansatz. So kommen Stücke heraus wie Ordinary Feelings, das mit einem Breakbeat beginnt und auch danach am meisten Aggressivität von allen Stücken dieser EP ausstrahlt. „Anstelle schweigend zu kapitulieren / begieße des Leben als Hypothese“, ist wieder so eine wunderbar schräg-philosophische Aufforderung, der Sound würde zu Musikmosaik-Künstlern wie Foxygen oder Beck passen.

Produzenten wie Clams Casino und Evian Christ, aber auch Acts wie A$AP Rocky und Kanye West nennen I Salute als ihre Einflüsse. Dass beide einen Hintergrund in der Gitarrenmusik haben, hört man How You Like Me Now ebenfalls an. Der Titelsong, der die EP eröffnet, beginnt Englisch, mit unverkennbarer Gitarren-DNA und einer Strophe, die man sich etwa von den Strokes vorstellen könnte. Dann folgt eine Strophe mit deutschem Sprechgesang. Ebenso unterschiedlich sind die Selbstauskünfte im Text: “I’m a ruthless kid / almost someone special / (…) for some reason I’m a clueless kid”, heißt es zunächst, später wird allerdings behauptet: “Mein einziger Freund ist Leistung.”

Die Themen sind, wie schon auf dem Debütalbum Her Confidence (2017), schwer zu identifizieren. I Salute geben im Begleittext aber immerhin ein paar Hinweise und benennen „Verschwendung und Versagung, Selbstzweifel und Selbsterkenntnis, wimmelnde Vielfalt und psychotischer Schauder“. Play Nice bestätigt das: Die Bass-Drum ist mächtig tiefergelegt, die erste Hälfte wartet mit Dubstep-Elementen auf, dann folgt ein ziemlich großartiger Pop-Refrain, und inhaltlich scheint es um irgendeine krisenhafte Unzufriedenheit zu gehen. „Wir sind Helden / fürchten nur stummes Gebell“, heißt es in Still Running. Der extrem verzögerte Beat und dann auch das theatralische Gitarrensolo deuten in Richtung Powerballade, aber Romantik wird hier eher gezielt verweigert. Es scheint um das Ende einer Beziehung zu gehen, mit der lakonischen Feststellung „What goes up / must come down.“

Die Bibliothek ist auch deshalb ein so passender Entstehungsort für diese Musik: I Salute schätzen es, von einem riesigen Schatz an Wissen, Erfahrung, Möglichkeiten und Fiktionen umgeben zu sein. Aber sie wissen auch, dass die Aufgabe, daraus so etwas wie Sinn, Orientierung und womöglich gar Zufriedenheit zu generieren, bei ihnen selbst liegt.

How You Like Me Now zeigt: Es gibt schicke Videos mit hässlichen Unterhemden.

Website von I Salute.

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