Ich will dich


Film Ich will dich

Ich will dich Review Kritik

Marie (Ina Weisse) und Ayla (Erika Marozsán) fühlen sich zueinander hingezogen.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2014
Spielzeit 89 Minuten
Regie Rainer Kaufmann
Hauptdarsteller Ina Weisse, Erika Marozsán, Ulrich Noethen, Marc Hosemann
Bewertung

Worum geht’s?

Marie und Bernd sind verheiratet, haben zwei Kinder im Teenageralter und sind Inhaber eines gemeinsamen Architekturbüros. Dort werden sie von Dom überrascht, einem gemeinsamen Freund, der nach längerer Zeit im Ausland wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist und neben einer verheißungsvollen Geschäftsidee auch seine neue Partnerin Ayla mitgebracht hat. Die beiden ziehen in der Nachbarschaft von Marie und Bernd, die befreundeten Paare verbringen gerne Zeit miteinander. Zwischen Marie und Ayla entsteht dabei nicht nur Sympathie, sondern auch eine erotische Anziehung: Zuerst bei einem Wochenendausflug, dann bei einer Party küssen sie sich, daraus wird eine Affäre, die sie ihren Männern verheimlichen. Noch komplizierter wird die Situation, als Ayla schwanger wird und Dom heiratet. Beiden ist klar, dass sie ihre Liebesbeziehung offenbaren oder beenden müssen – und dass sie damit so oder so ihr Glück aufs Spiel setzen.

Das sagt shitesite:

Man könnte Ich will dich, auch wegen seines Titels, für eine reißerische Coming-Out-Geschichte halten. Es gibt den offenkundigen Gegensatz zwischen der kühlen, vernünftigen und zaudernden Marie und der temperamentvollen, unberechenbaren und draufgängerischen Ayla, von der sie zunächst eher genervt zu sein scheint. Es gibt durchweg ziemlich blasse Männerfiguren und auch ein paar weitere Schwächen. Beispielsweise die Szene mit der wilden Party mitten am Nachmittag ist wenig plausibel, auch der erste Kuss kommt ein wenig zu unvermittelt. Danach wird dieser Fernsehfilm aber stimmig, glaubhaft und erfreulich unaufgeregt, was auch für die Sexszenen gilt. Statt plakativ oder voyeuristisch zu sein, entwickelt Ich will dich eine Reflexion über Verstellung und Wegschauen, Eifersucht und Besitzansprüche, Bekenntnis und Entscheidung, die durchaus Tiefgang hat.

„Dieses Auf und Ab! Ihr benehmt euch wie verliebte Teenager“, sagt Maries Mann, als er noch längst nichts von der Beziehung seiner Frau ahnt. In der Tat spürt Marie eine starke Anziehungskraft, zugleich hat sie Angst vor diesem Gefühl. Sie wusste gar nicht, dass ihr in ihrem Leben etwas fehlt, aber plötzlich ist ihr das, was bisher war, viel zu wenig. Zugleich versucht sie, ebenso wie Ayla, ihre Normalität zu erhalten. Häuser werden im Film, naheliegend beim Beruf zweier der Haupfiguren, immer wieder als Symbole für Lebensentwürfe genutzt. Doch, um im Bild zu bleiben: Eine Architektur, in der diese beiden Paare (und Familien) glücklich miteinander sein können, lässt sich nicht finden.

Wirkt in der Zweisamkeit von Marie und Ayla alles zunächst flüchtig und ohne Perspektive („Warum musst du jetzt deine Sexualität ausleben? Das ist doch etwas für junge Leute“, lautet der Vorwurf von Maries Schwiegermutter, die das womöglich für ein Experiment oder einen Spleen hält) wird im weiteren Verlauf von Ich will dich deshalb immer klarer, dass die beiden Frauen in einem existenziellen Dilemma stecken. Geschickt verstärkt der Film diese Problematik, indem er eine interessante zweite Ebene durch das von den Eltern als bedrohlich empfundene Liebesleben der 14-jährigen Tochter einzieht. Die größte Stärke des Films ist dabei, dass seine Erkenntnis eine so universelle ist, die völlig unabhängig von der sexuellen Orientierung einer Beziehung gilt: Es reicht nicht, zu sagen: „Ich will dich.“ Denn es gehört eine weitere Aussage dazu: „Ich erkenne, dass ich dich will, und zwar nur dich – und die ganze Welt soll davon erfahren.“

Bestes Zitat:

„Es kann doch nicht alles vorbei sein. Es hat doch noch gar nicht angefangen.“

Der Trailer zum Film.

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