Der kritische Blick: Burnout ist keine Mode

Der DGB stellt in dieser Woche eine Studie zu den Arbeitsbedingungen in Deutschland vor, zudem legt die IG Metall demnächst ihr Schwarzbuch Leiharbeit vor. Beides hängt eng zusammen, und beides zeigt: Das Arbeitsleben ist hierzulande oft ein idealer Nährboden für Burnout.

Diese Diagnose mag manchem wie ein Modewort vorkommen. Sven Hannawald und Jan Ullrich, Mariah Carey und Britney Spears – sie alle haben sich schon mit der Begründung “Burnout” für eine Weile aus ihrer Karriere ausgeklinkt. Sie machen eine Weltreise, widmen sich einem exotischen Hobby oder tauchen einfach für ein Jahr ab. Das wirkt einigermaßen banal, in jedem Fall harmlos. “Burnout” – das klingt vor diesem Hintergrund wie die perfekte Ausflucht für Drückeberger und Weicheier.

Ist es aber nicht. Burnout ist ein ernstes Problem, vor allem in der Arbeitswelt. Und da haben die meisten leider nicht die Gelegenheit, auf die Therapie der Promis zurückzugreifen. Urlaub und ausgefallene Hobbys kosten eine Menge Geld, und die Frage nach einem Jahr Auszeit vom Job beantworten die meisten Chefs noch immer mit einem hysterischen Lachen.

Dabei wäre ein Umdenken dringend notwendig. Druck, Existenzangst, schlechte Bezahlung – all das sind wichtige Faktoren für Burnout. Anonyme Leiharbeit oder befristete Arbeitsverträge als Dauerzustand sorgen zudem dafür, dass sich viele Arbeitnehmer nicht mehr mit ihrem Job identifizieren können, oder gar mit dem Unternehmen, für das sie arbeiten.

Immer öfter muss man permanent erreichbar sein, immer mehr Deutsche schleppen sich auch krank noch zum Dienst. All das erhöht ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann nicht mehr kann. Oder sich zumindest die Frage stellen muss, ob man bloß noch funktioniert und arbeitet, oder ob man auch noch lebt.

Wenn Arbeitgeber solche Zustände tolerieren oder sogar forcieren, dann schaden sie sich selbst. Denn wenn die Identifikation fehlt, gerät als nächstes die Motivation abhanden, und dann die Produktivität. So viel Kurzsichtigkeit kann sich in Zeiten des Fachkräftemangels kein Unternehmen mehr leisten.

Wenn der Staat nicht endlich gegensteuert, schadet er sich ebenfalls selbst. Denn die Kosten für die Behandlung psychischer Krankheiten sind explosionsartig gestiegen – Vorbeugen ist auch in dieser Hinsicht die beste Medizin.

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Der kritische Blick: Der peinliche Zapfenstreich von Christian Wulff

Christian Wulff besteht auf einem Großen Zapfenstreich zu seinem Abgang. Dass er wochenlang ignorant alle Vorwürfe gegen sich ausgesessen und mit seiner nicht enden wollenden Kredit-/Medien-/Sylt-Affäre der politischen Kultur schwer geschadet hat, ficht den ehemaligen Bundespräsidenten offensichtlich nicht an. Heute Abend will er trotzdem mit Glanz und Gloria verabschiedet werden. Das ist unwürdig – und Christian Wulff merkt noch nicht einmal, dass er sich mit dieser peinlichen Veranstaltung vor allem selbst demütigt.

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Der kritische Blick: Das Ende der Lohn-Bescheidenheit

Bis zu 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt fordern die Gewerkschaften in der aktuellen Tarifrunde. Das klingt anmaßend – ist aber überfällig. Denn mit ihrer jahrelangen Zurückhaltung haben die Gewerkschaften zwar dafür gesorgt, dass Deutschland wettbewerbsfähig ist. Das ging aber auf Kosten der Binnennachfrage und der anderen EU-Länder und hat so zur Euro-Krise beigetragen. Vor allem aber haben die Arbeitnehmer dadurch den Aufschwung verpasst. Das darf nicht so bleiben.

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Der kritische Blick: SOPA geht zu weit

Ein Tag ohne Wikipedia? Dass uns dieses Szenario vielleicht nicht unvorstellbar, aber immerhin doch sehr ärgerlich und unbequem erscheint, ist der beste Beweis dafür, wie tief das Internet inzwischen in unsere Lebensumstände eingedrungen und wie weitreichend der Wandel ist, den es ausgelöst hat. Manche wollen das allerdings nach wie vor nicht begreifen, und genau gegen diese Gruppe protestiert die englische Wikipedia-Seite heute, indem sie einen Tag lang keine Inhalte bietet. Dem Protest gegen eine drohende Internetzensur in den USA haben sich viele andere Seiten angeschlossen. Auch ich meine: Der Stop Online Piracy Act (SOPA) bedroht die Freiheit im Netz. Raubkopien kann man schließlich auch ohne neues Gesetz bestrafen.

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Der kritische Blick: Der Hokuspokus der Ratingagenturen

Wenn man selbst nicht mehr durchblickt, dann braucht man Berater. In der Antike haben sich die Kaiser deshalb Traumdeuter an die Seite geholt, im Mittelalter haben sie Astrologen beschäftigt. Heute erfüllen die Rating-Agenturen diese Rolle. Und sie geben selbst zu: Viel profunder als damals sind ihre Voraussagen auch nicht.

Trotzdem haben sie eine unfassbare Macht erlangt. Standard & Poor’s droht Deutschland gerade mit dem Entzug des Top-Ratings AAA. Dann könnten die Staatsschulden für uns alle noch teurer werden. Ich frage mich, warum sich die Politik derart von ihnen treiben lässt.

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Der kritische Blick: Alle doof, außer Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück. Zumindest will er das alle glauben machen. Sein Buch Vorerst gescheitert soll dem CSU-Mann die Tür öffnen für das politische Comeback und die Zeit lässt sich auch noch missbrauchen, ihm den Roten Teppich auszurollen. Ich vermute: Man braucht wahrscheinlich wirklich mehr als 850 Jahre Familiengeschichte, um so viel Arroganz an den Tag legen zu können.

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Der kritische Blick: Wie unfähig ist der Verfassungsschutz?

10 Jahre konnte ein Neonazi-Trio um Beate Zschäpe mordend durch Deutschland ziehen. Verfassungsschutz und andere Behörden wissen auch jetzt noch nicht, was die Terrorzelle noch alles plante. Und natürlich hat auch keine Ahnung, ob das Trio nun auf sich gestellt war oder Unterstützer hatte. Vielleicht 10, vielleicht 20, vielleicht auch ein paar Beamte bei den Ermittlungsbehörden? Ich frage mich deshalb: Wer beschützt uns eigentlich vor so viel Inkompetenz?

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Der kritische Blick: Talkshows und kein Ende

Mehr als 25 Stunden Talkshows sind demnächst pro Woche in ARD und ZDF zu sehen, haben meine lieben Kollegen errechnet. Zurecht kann man da fragen: Fällt den öffentlich-rechtlichen Sendern keine andere Form der Politikvermittlung mehr ein? Doch ich meine: Die Programmreform, die durch den Wechsel von Günther Jauch ins Erste ausgelöst wurde, bietet auch Chancen. “Lasst uns drüber reden” – wenn dieses Motto allein im Ersten künftig fünfmal pro Woche gilt, dann steigt der Druck, sich von den anderen abzuheben. Und damit könnten Anne Will, Sandra Maischberger, Frank Plasberg & Co. endlich etwas mutiger werden.

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Der kritische Blick: Das perfide Spiel von Anders Behring Breivik

76 Menschenleben hat Anders Behring Breivik nach aktuellem Stand auf dem Gewissen. Als er Jagd auf wehrlose Jugendliche auf der Insel Utoya machte, fühlte er sich mächtig. Ich meine: Wir sollten ihm nun nicht noch mehr Macht schenken, indem wir unser Interesse auf ihn und seine krude Ideologie von Rasse und Rache lenken. Denn unsere eigene Neugier hilft nur dem Massenmörder von Norwegen dabei, sich selbst zu inszenieren.

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Der kritische Blick: Lady Gaga ist bloß Verpackung

Auch mit dem gerade erschienenen Born This Way wird Lady Gaga die Charts erobern. Kaum zu glauben: Es ist erst ihr zweites Album, trotzdem ist sie seit drei Jahren quasi omnipräsent. Auch das zeigt: Musik spielt bei Lady Gaga so gut wie keine Rolle. Wegen ihrer Lieder wird Lady Gaga nicht in Erinnerung bleiben. Das Unverwechselbare an ihr ist die Oberfläche – und sonst nichts.

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